Fidel Bastro Records oder Eigensinn in extremo
Von Benjamin Moldenhauer (TAZ). Das Hamburger DiY-Label Fidel Bastro ist eine Bastion für musikalische Randgruppen von Noise bis Industrial. Eine Würdigung zur 100. Veröffentlichung.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, höchstens ein lautes. Noiserock war Ende der 1980er, Anfang der 1990er eine Variante des Soundtracks zum Untergang: übersteuerte Gitarren, Keksdosen-Schlagzeug, massiver Grollbass und stark verzerrtes Gekeife, das Psychotisches suggerierte. Die Untergangsbewegung war hier oft der Strudel in den Abgrund eines an sich und der Welt irre gewordenen Ichs, das auf dem Weg nach unten noch möglichst viele anschreien und sich unbedingt mitteilen wollte.
Das US-Label Amphetamine Reptile hatte es vorgemacht: Die Stimmung in Noiserocksongs war oft heiter, obwohl edgy und doch frei drehend gelöst. Man ließ es laufen, das Innerste zuerst. Inzwischen ist die Party weitgehend vorbei, nur die US-Noiserockpioniere Jesus Lizard touren ab und an noch und die Melvins waren nie weg. Und doch ist ein Noiserockrevival bislang ausgeblieben. In Hamburg braucht es auch keins.
© TAZ, Kultur, Musik, 15.5.2025