Folksänger Nick Drake „Auf Gold gestoßen!“
Von Jürgen Goldstein (FAZ). Dem frühverstorbenen Folksänger Nick Drake hing der Ruf des schüchternen Melancholikers an. Neue Tondokumente zu seinem Album „Five Leaves Left“ zeigen: Als Musiker wusste er, was er wollte. Zu entdecken sind sowohl andere Arrangements als auch neue Songs.
Im November 1979 sucht Gorm Henrik Rasmussen im Telefonbuch die Nummer der Familie Drake in Tanworth-in-Arden heraus und greift zum Hörer. Er sei ein Dichter und habe ein paar Fragen zu Nick, erfahren die erstaunten Eltern. Ihr Sohn war seit fünf Jahren tot. Rasmussen macht sich auf den Weg in die englischen Midlands, an den Ort von Kindheit und Tod des mythisch verehrten Musikers.
Der Däne zählt zu den ersten Pilgern, weitere werden folgen. Die gerührten Eltern verschenken mitunter Kopien von Tonbändern, auf denen ihr Sohn Songentwürfe festgehalten hat. Sie finden ihren Weg auf Bootlegs und ergänzen das schmale Werk von 31 auf drei Alben veröffentlichten Songs. Jedes weitere Tonfragment wird von Sammlern gehütet, als handele es sich um klingenden Goldstaub.
© FAZ, Feuilleton, 11.8.2025