Musiktipps

Musikerin Jens Ausderwäsche „Sie pflegt lieber Marotten statt Selbstoptimierung“

Ein Musiktipp von Robert Mießner (TAZ). Wenn dem Kapitalismus die Schminke zerläuft, hilft nur Schrulligkeit. Diesem Motto folgt die Musikerin Jens Ausderwäsche aus Chemnitz.

Wer sich auf die mühsame Suche nach dem Wort „Kurzarbeit“ in der deutschsprachigen Pop­lyrik macht, wird passenderweise fündig in Chemnitz, von 1953 bis 1990 Karl-Marx-Stadt genannt, im 19. Jahrhundert als „sächsisches Manchester“ tituliert und aktuell Kulturhauptstadt Europas. Dort, im Stadtteil Sonnenberg, lebt und arbeitet Jens Ausderwäsche.

Der wenig groovige Begriff „Kurzarbeit“ kommt in einem unbedingt tanzflächentauglichen Song der ostdeutschen Musikerin vor. „Dagmar wird böse“ heißt er, und so viel kann schon mal verraten werden: Dagmar ist nicht allein, wenn es gegen den „beschissenen Luxus für ­jeden“ geht.

Das Pseudonym Jens Ausderwäsche hat der Künstlerin ein Freund gegeben, und sie mag das Überraschungsmoment, dass Jens bürgerlich Jenny Kretzschmar heißt, geboren 1995 im sächsischen Rochlitz, aufgewachsen in Geringswalde. Gäbe es die Stadt zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden nicht tatsächlich, könnte sie eine Wortschöpfung von Jens Ausderwäsche sein.

© TAZ, Kultur, Musik, 12.8.2025

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