Bandcamp – Album of the Day: Galaxie 500, “CBGB 12.13.88”
Von George Grella. Galaxie 500 waren wie Glühwürmchen, die kurzzeitig den weiten Raum erhellten, den der Punk geschaffen hatte, bevor sie wieder verschwanden. Sie führten ein Leben am Rande, was poetisch gut zu einer Band passte, die maßgeblich daran beteiligt war, Stile zu etablieren, die zu ihrer Zeit noch keinen Namen hatten. Diese schöne Archivveröffentlichung klingt wie ein Rosetta-Stein für Indie-Rock, Shoegaze und Dream Pop.
Im Spätherbst 1988 spielten Gitarrist und Sänger Dean Wareham, Bassistin Naomi Yang und Schlagzeuger Damon Krukowski im CBGB eine Benefizveranstaltung für den längst geschlossenen und schmerzlich vermissten See/Hear-Zine-Laden. Mit dabei waren auch Sonic Youth, B.A.L.L. und Unsane – vier Ecken eines explodierenden Universums. B.A.L.L.-Mitglied Kramer mischte dieses Board-Tape, das einen räumlichen und doch intimen Sound hat. Das Konzert fand nur wenige Monate nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Today statt, und der Live-Kontext verleiht der Musik eine besondere Zartheit. Krukowski sagt: „Es bewahrt einen frühen Moment für uns auf der Bühne: Wir klingen neu in dieser Erfahrung, ein bisschen zögerlich, mehr als nur ein bisschen nervös …“
Die nervöse Energie in ihrem Spiel verleiht der Süße und Anmut der Band eine reizvolle Note. Wareham zittert etwas mehr, als er singt, aber die Eleganz der Melodien und Songstrukturen ist unerschütterlich. Sie spielen zuerst „Tugboat“, und live bildet die Kombination aus den bissigen Texten („I don’t wanna stay at your party/ I don’t wanna talk with your friends/ I don’t wanna vote for your President/ I just want to be your tugboat captain“), Warehams sanftem Gesang und der Energie, die sich zu einem fast schon thrashigen Sound steigert, eine tiefe und komplexe Brücke zwischen verschiedenen Rock-Epochen.
Diese Songs haben bereits eine gewisse Eindringlichkeit – das war der Stil von Galaxie 500 –, aber der Klang einer scheinbar winzigen Menschenmenge fügt einen pikanten emotionalen Kontext hinzu, wenn man einer jungen Band zuhört, die ihr Herzblut gibt, und sich fragt, warum, oh warum, nicht alle so begeistert sind wie man selbst. Das ist mehr als nur ein Moment in der Zeit, es ist ein Übergangsritus für Musiker und Musikliebhaber.
© Bandcamp, Album of the Day, 20.8.2025 / Alle Texte: George Grella.