A Closer Listen Release Tipp: Riccardo La Foresta – ZERO,999…
Es sind so starke und beeindruckende Sounds, dass sie mich glatt umgehauen haben. Allerdings unter der Voraussetzung einer möglichst hohen Lautstärke! Joseph Sannicandro hat es für uns gefunden und das gebe ich nur zu gerne weiter – anhören!

La Forestas Praxis konzentriert sich auf das Drummophone, ein Instrument seiner eigenen Erfindung, mit dessen Entwicklung er 2015 begann, als er erstmals damit experimentierte, Luft durch ein an einer Trommel befestigtes Becken zu blasen. Entstanden aus einem Jahrzehnt der Forschung, in dem er seinen Prozess durch Live-Auftritte, Improvisation und Installationen erweiterte, ist „ZERO, 999…“ ein konzeptionell fokussiertes und kompositorisch anspruchsvolles Album, das den Status als La Forestas offizielles Debüt verdient.
Das Cover von Riccardo La Forestas ZERO, 999… zeigt einen unmöglich hohen Spiralturm, der im Himmel verschwindet – eine treffende, verwirrende visuelle Metapher für ein Album, das traditionelle Vorstellungen vom Trommeln auf den Kopf stellt. Hier sind Trommeln keine rhythmischen Anker, sondern Gefäße für Atem, Sustain und Drone – gestisch, aber ohne traditionellen Puls, belebt durch Instabilität und Fluss.
In Drummophone’s Manifesto stellt La Foresta eine einfache Frage: „Was ist eine Trommel?“ Traditionell sind Trommeln Membranophone, bei denen eine gespannte Membran angeschlagen wird, um einen Ton zu erzeugen. Die Einführung einer neuen Technik – das Vibrieren der Membran mit Luft – verwandelt die Trommel in ein Aerophon, wodurch das Drummophone eher einem Kazoo oder Harmonium als einer Snare ähnelt. Wie er in seinem Manifest feststellt, „ist es möglich, damit akustische Drones, Melodien und komplexe Beats zu erzeugen, die das Instrument drastisch von traditionellem Trommeln und Gesten unterscheiden“. Die sechs Tracks auf „Drummophone“ (2020) demonstrieren die Bandbreite der Klänge, die La Foresta seinem Instrument entlocken kann, von tiefen, dröhnenden Drones bis hin zu zahnklirrendem Feedback, sanftem Gurren bis hin zu skurrilen Tonhöhenoszillationen und metallischem Klirren. Als Beweis für das Konzept führten diese Aufnahmen zu Möglichkeiten, Installationen zu montieren, wobei La Foresta sich oft als „akustisches Set“ auf Elektronikfestivals wiederfand.
© A Closer Listen, 8.9.2025