Release Tipp: Craig Taborn – Dream Archives / ECM
Das Anfang des Jahres erschienene Album „Dream Archives” von Craig Taborn hat mich unglaublich positiv überrascht. ECM war für mich in den letzten Jahren nie Anlass für positive Kritiken, aber dieses Album hat das Zeug, etwas ganz Großes zu sein. Aktueller Jazz, herausfordernd und auf der Höhe der Zeit – der erste Höhepunkt des Jahres!
Ich habe zwei Rezensionen herausgesucht, die das untermauern sollen. Sogar Don Phipps vom Freejazzblog ist von dieser Musik überzeugt. Dazu kommt ein Text von Jazztrail.net. Ich kann das Album nur wärmstens empfehlen.
Freejazzblog – Don Phipps
Obwohl Craig Taborn nichts gegen das Spielen im Innenbereich einzuwenden hat, war er immer offen dafür, sein Vokabular des Jazzklaviers zu erweitern und in seinen Kreationen avantgardistische Elektronik einzusetzen. Nehmen wir zum Beispiel seine Arbeit mit Tim Berne in den Nullerjahren. In den von der Kritik gefeierten Alben „Shell Game“ (Thirsty Ear 2001) und „Science Friction“ (Screwgun 2002) nutzte Taborn Klavier und Elektronik, um die harmonischen Settings von Bernes Kompositionen zu erweitern. Später, in den 2010er Jahren, brachte er seine Fähigkeit, fesselnde Klanglandschaften zu schaffen, in zwei gefeierten Aufnahmen von Michael Formanek ein, „The Rub and Spare Change“ (ECM 2010) und „Small Places“ (ECM 2012).
Wenn man seine Träume archivieren würde, was würden sie dann aussagen? Würden sie die Wahrnehmung dessen, was real und was Illusion ist, schärfen? Würden sie zu mehr Selbstbewusstsein oder zu Verwirrung führen? Würden sie mit einem Zeitstempel versehen? Und wie würden sie klassifiziert, gespeichert und abgerufen werden? Vielleicht sollen Taborns Bemühungen auf „Dream Archives“ Licht auf diese Fragen werfen – das melodische Unterbewusstsein offenbart und katalogisiert. Viel Spaß!
© Freejazzblog.org, 19.1.2026
jazztrail.net
Der Pianist und Komponist Craig Taborn, bekannt für seine beeindruckend kraftvolle Technik und seine Fähigkeit, postmodernen Jazz, zeitgenössische klassische Musik und Indie-Elektronik zu verbinden, bewegt sich fließend zwischen Struktur und Freiheit. Die sechs Titel auf Dream Archives – vier Originale und zwei Coverversionen – sind intelligent konzipiert, finden neue klangliche Blickwinkel und erforschen innovative Ansätze für Rhythmus. In Zusammenarbeit mit der Cellistin Tomeka Reid und dem Schlagzeuger/Vibraphonisten Ches Smith fügt der farbenfrohe Chamäleon Taborn seinem bereits reichhaltigen Katalog ein weiteres spannendes Kapitel hinzu.
Geschickt gestaltet und mit einer grenzüberschreitenden Ethik versehen, zeigt „Dream Archives“ Taborns phänomenale Musikalität und seine weitreichende Raffinesse. Es wird abenteuerlustige Hörer belohnen und ist eines der ersten Highlights der zeitgenössischen Jazzveröffentlichungen im Jahr 2026.
© Jazztrail.net, 13.1.2026