Musiktipps

R.I.P. Sonny Rollins … Nachrufe …

Im Perlentaucher (Für mich immer noch die wichtigste deutsche Seite für kulturinteressierte im Internet) hat der Efeu die Nachrufe für Sonny Rollins gesammelt und da viele hinter einer Paywall liegen, gebe ich das mal so, an Euch weiter.

Die Feuilletons trauern um Jazzmeister Sonny Rollins, der im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Mit ihm stirbt der letzte jener Großen, die den Jazz ab den Fünfzigern maßgeblich modernisiert haben. „In seiner Heimat Amerika war er so viel mehr als nur einer der größten Tenorsaxofonisten des Modern Jazz“, würdigt ihn Andrian Kreye in der SZ. „Er war ein Suchender, für den sein Instrument und seine Musik oft nur ein Vehikel waren, um nach einer tieferen Wahrheit zu schürfen, sei sie politisch, spirituell oder ästhetisch. … Sein Ton war rau und fordernd, ließ sich nicht auf die klare Ästhetik des Modern Jazz ein, in der die Kraftmeiereien der Swing-Ära keinen Platz mehr hatten.“ Er „befreit die Musik von allzu engen Fesseln“, erzählt Tobi Müller auf ZeitOnline, doch anders als „Coltrane sprengt er nicht alle Grenzen. Rollins denkt selbst dann noch an die Harmonie im Hintergrund und das rhythmische Gerüst, wenn er beides bis kurz vor den Einsturz führt.“ Wie er und Don Cherry „den Rollins-Klassiker ‚Oleo‘ über den Harmonien von George Gershwins ‚I Got Rhythm‘ zerlegen: höchste Spannung, wobei Cherry die Akkordfolge früh verlässt, während Rollins sie noch lange abstrakt moduliert. Cherry: Revolution. Rollins: Reform. Beides geht gleichzeitig – ein Highlight der Jazzgeschichte, in dem sich scheinbar unversöhnliche Prinzipien ganz nahekommen.“

Auch Wolfgang Sandner kommt in der FAZ auf das Verhältnis zwischen Coltrane und Rollins zu sprechen: „Wie Coltrane – schnell, virtuos, unaufhörlich intensiv – wollten alle, wie Rollins – überraschend, eckig, tänzerisch – konnte fast niemand spielen. Der kantige Rollins war eine unverwechselbare Stimme, ein Monolith des Bebop. … Der selbstvergessene Coltrane trieb die Skalenbildung so weit, dass sich in seinen ‚Sheets of Sound‘ die Restbestände funktionaler Harmonik buchstäblich in Luft auflösten. … Bei Rollins werden dagegen die weitschweifigsten Soli aus kleinsten Fragmenten und Formeln, oft auch aus einem einzigen rhythmischen Kürzel zusammengesetzt“, was „ebenso hochexpressiv wie eine jener monströsen Séancen von Coltrane“ war. Von den beiden gibt es nur eine gemeinsame Aufnahme:

© Perlentaucher, Efeu, 27.5.2026, Alle Texte + Videoauswahl: Efeu

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