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Essay: Konjunktur eines Gefühls: Angst made in Germany

Von Charlie Stein (DLF). Kriege vor der Haustür, steigende Preise, stagnierende Wirtschaft, von den Klimawandelfolgen ganz zu schweigen – wir blicken in eine unsichere Zukunft. Wo Krisen sich überlagern, entsteht das vielleicht unbeliebteste Gefühl: Angst.

Unter vielen anderen Emotionen liegt die Angst wie ein Grundrauschen – unter Scham, unter Wut, unter Trauer. Oft ist es die Angst vor Ablehnung, vor Verlust, vor Kontrollverlust, die diese Gefühle noch verstärkt und antreibt.

Gleichzeitig ist Angst ein ökonomischer Motor. Ganze Industrien leben davon, sie zu reduzieren oder von dem Versprechen, sie zu kontrollieren: Versicherungen, Pharmaunternehmen, Sicherheitsapparate, Selbstoptimierungsprogramme. Die Aussicht auf ein Leben mit weniger Angst ist ein mächtiges Verkaufsargument.

Wenn Unsicherheit und Sorge zur Atmosphäre werden, verändert das politische Debatten, ökonomische Entscheidungen und kulturelle Produktionen. Selbst die Kunst, die in Krisenzeiten oft als entbehrlich gilt, wird zum Resonanzraum dieser Verunsicherung.

Charlie Stein ist Künstlerin. Ihre Arbeiten untersuchen dominante kulturelle Ästhetiken und hinterfragen Wahrnehmungsmuster in einer hochgradig digitalisierten und visuell überstimulierenden Welt. Stein studierte Bildende Kunst und Soziologie. Sie war Gastprofessorin für Malerei und Zeichnung an der HfBK Hamburg und lehrte auch am Pratt Institute in New York, der UdK Berlin und CalArts in Los Angeles. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem bei der Manifesta-Biennale, in der Kristin Hjellegjerde Gallery in London, im Songjiang Art Museum in Shanghai, im Museum Villa Merkel in Esslingen und bei der Skulpturen-Triennale in Bingen. Charlie Stein lebt und arbeitet in Berlin.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 17.5.2026

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