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UKJazznews Musiktipp: Colin Webster, Balázs Pándi, Matt Cargill – „Chewed Up And Spat Out“ / Raw Tonk Records

Von Kevin Whitlock. Eine neue Veröffentlichung, Chewed Up And Spat Out, von dem Schlagzeuger Balázs Pándi (Mats Gustafsson, Thurston Moore, Keiji Haino, Jon Wesseltoft u. a.); dem Saxophonisten Colin Webster (Dirk Serries, Andrew Lisle, Martina Verhoeven usw.); und dem Elektronikmusiker Matt Cargill von Sly & The Family Drone ist auch digital erhältlich.

Chewed Up wurde 2019 aufgenommen und besitzt jene rohe, geräuschvolle Unmittelbarkeit, die man von einer solchen Session erwarten würde.

Wenn sich die Menschen heutzutage überhaupt noch an Kassetten erinnern, sind ihre Erinnerungen daran wahrscheinlich negativ. Beliebt wegen ihrer Tragbarkeit und Bequemlichkeit sowie der Möglichkeit, sie selbst zu bespielen, erlebten Kassetten von den späten 1970er-Jahren bis in die frühen 1990er-Jahre einen Boom; doch mit dem Aufkommen neuer Technologien wie CD und Streaming boten andere Medien mehr Komfort und besseren Klang. Und ein Spotify-Stream wird nicht zerkaut und muss auch nicht mit einem Bleistift neu aufgespult werden.

Doch das Format erlebt derzeit so etwas wie eine kultige, wenn auch nischenhafte Renaissance, da einige sehr große Pop- und Rockkünstler Kassetten für Sammler anbieten. Bestimmte Musikrichtungen haben die Kassette jedoch schon immer geschätzt – darunter Hip-Hop, Free Jazz und Electronica. Für Anhänger dieser Musikrichtungen ist die Kassette nie wirklich verschwunden.

Raw Tonk Records, ein in London ansässiges Label, das sich auf Free Jazz und Improvisation spezialisiert hat, bringt bereits seit einiger Zeit Kassetten (und manchmal auch CDs) in limitierter Auflage heraus.

Bei „To Arise From Sleep“ stürzen sich Webster und Cargill in kreischende, energiegeladene Abstraktionen, während Pándi wütend auf sein Schlagzeug einhämmert und damit sofort die Aufmerksamkeit des Zuhörers fesselt. Doch als Schlagzeuger fungiert er auch als eine Art Leitinstrument. „Chewed Up“ folgt weitgehend dem gleichen Stil, während „Spat Out“ einen mehrteiligen, progressiven Charakter aufweist: Es beginnt mit ohrenbetäubenden Klängen von Webster und Cargill, bevor es in eine knifflige Start-Stopp-Struktur übergeht, gefolgt von dichten elektronischen Drones, die von Percussion-Salven unterbrochen werden. Das knurrende „Money Shitter“ ist der am wenigsten „jazzige“ Titel hier, doch der epische, 12-minütige Abschluss „Blot“ wird für Liebhaber von freier Skronk-Musik und Dissonanzen ein Genuss sein.

Chewed Up ist Fans von lauter freier Improvisation wärmstens zu empfehlen. Auch die Aufmachung verdient Lob – die Musik ist auf eine durchsichtige rote Kassette in einer Hülle aus recyceltem Karton überspielt, die mit einem individuellen Linolschnitt-Artwork von Webster versehen ist, was dem Ganzen einen ansprechenden DIY-Charakter verleiht, fast schon „handwerklich“, was perfekt zur Musik passt.

© UKJazznews, 5.7.2026

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