UKJazznews Musiktipp: Colin Webster, Balázs Pándi, Matt Cargill – „Chewed Up And Spat Out“ / Raw Tonk Records
Von Kevin Whitlock. Eine neue Veröffentlichung, Chewed Up And Spat Out, von dem Schlagzeuger Balázs Pándi (Mats Gustafsson, Thurston Moore, Keiji Haino, Jon Wesseltoft u. a.); dem Saxophonisten Colin Webster (Dirk Serries, Andrew Lisle, Martina Verhoeven usw.); und dem Elektronikmusiker Matt Cargill von Sly & The Family Drone ist auch digital erhältlich.
Chewed Up wurde 2019 aufgenommen und besitzt jene rohe, geräuschvolle Unmittelbarkeit, die man von einer solchen Session erwarten würde.
Bei „To Arise From Sleep“ stürzen sich Webster und Cargill in kreischende, energiegeladene Abstraktionen, während Pándi wütend auf sein Schlagzeug einhämmert und damit sofort die Aufmerksamkeit des Zuhörers fesselt. Doch als Schlagzeuger fungiert er auch als eine Art Leitinstrument. „Chewed Up“ folgt weitgehend dem gleichen Stil, während „Spat Out“ einen mehrteiligen, progressiven Charakter aufweist: Es beginnt mit ohrenbetäubenden Klängen von Webster und Cargill, bevor es in eine knifflige Start-Stopp-Struktur übergeht, gefolgt von dichten elektronischen Drones, die von Percussion-Salven unterbrochen werden. Das knurrende „Money Shitter“ ist der am wenigsten „jazzige“ Titel hier, doch der epische, 12-minütige Abschluss „Blot“ wird für Liebhaber von freier Skronk-Musik und Dissonanzen ein Genuss sein.
Chewed Up ist Fans von lauter freier Improvisation wärmstens zu empfehlen. Auch die Aufmachung verdient Lob – die Musik ist auf eine durchsichtige rote Kassette in einer Hülle aus recyceltem Karton überspielt, die mit einem individuellen Linolschnitt-Artwork von Webster versehen ist, was dem Ganzen einen ansprechenden DIY-Charakter verleiht, fast schon „handwerklich“, was perfekt zur Musik passt.
© UKJazznews, 5.7.2026