Musiktipps

UKJazznews Musiktipp: Norma Winstone – A Timeless Place / Enodoc

Von Mike Collins. In den letzten Jahren gab es aus verschiedenen Richtungen einen stetigen Strom wiederentdeckter und bisher unveröffentlichter Schätze. Nun beschert uns dieser Strom ein Juwel in Form von A Timeless Place, einer Aufnahme aus dem Jahr 1990 von Norma Winstone mit dem NDR-Rundfunkorchester.

Diese Aufnahme entstand auf Einladung des NDR an Winstone, eine Radiosendung zu gestalten. Was diese Aufnahme damals besonders machte und heute besonders ins Auge fällt, ist die Tatsache, dass Winstone Steve Gray (1944–2008) einlud, die Musik zu arrangieren. Grays Fantasie und sein origineller Ansatz beim Arrangieren gelten unter Musikern als stille Legende. Diese Aufnahme bietet die Gelegenheit, einen Teil seiner Meisterschaft auf sich wirken zu lassen und darin zu verweilen – mit einer Winstone in bestechender Form.

Die ersten Phrasen von A Timeless Place, Winstones Text zu Jimmy Rowles’ The Peacocks, fesseln sofort, während die zerbrechliche Melodielinie über weitläufigen Klavierakkorden schwebt; Steve Gray spielt Klavier, Günter Lenz den Bass und Aage Tanggaard das Schlagzeug. Grays Orchesterarrangement ist bemerkenswert: Mal trägt es die Melodie subtil voran, mal färbt es Stimmungen ein, die sich verdichten und fast unbemerkt wieder verflüchtigen. Die Schlussphrase von A Timeless Place wird durch einen außergewöhnlichen Schimmer der Streicher verziert. In Ralph Towners „The Glide“ wird das Thema fanfarenartig von den Blechbläsern vorgestellt, bevor Winstones Gesang einsetzt; bei Steve Swallows „Ladies in Mercedes“ sorgt der Tieftonbereich für ein Augenzwinkern, während die Posaunen die ersten Phrasen einleiten, damit die Band Schwung aufnehmen kann. Es sind Songs, die für Winstone zu festen Bestandteilen ihrer Live-Auftritte geworden sind, doch durch diese Orchesterarrangements erhalten sie eine köstliche Fremdartigkeit und Energie.

Das Repertoire der elf Stücke ist breit gefächert. Der Klang ist durch das Orchester reichhaltig und vielschichtig, doch das Album strahlt eine Weite und eine nachdenkliche Atmosphäre aus, die es der Geschmeidigkeit und Bandbreite von Winstones Gesangslinien ermöglicht, die Texte zum Leuchten zu bringen und sie vor Emotionen pulsieren zu lassen – die Balladen „I Loves You Porgy“ und „A Flower is a Lovesome Thing“ sind zwei herausragende Momente.

Dies ist eine sehr willkommene Veröffentlichung eines Sets, das zuvor nur im Rundfunk ausgestrahlt wurde, und ein Zeugnis von Steve Grays künstlerischem Können. Vor allem aber ist es eine wahre Freude, in diese Musik einzutauchen und einfach nur zuzuhören.

© UKJazznews, 25.7.2026

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