Prestomusic Jazzklassiker: Sonny Rollins – Way Out West / Original Jazz Classics
Von Dan Spirrett. Nur wenige Alben im Jazz-Kanon sind so gewagt, verspielt und strukturell makellos wie Sonny Rollins’ Meisterwerk „Way Out West“ aus dem Jahr 1957. Aufgenommen in einer Zeit, in der das Klavier als unverzichtbarer harmonischer Anker jeder kleinen Besetzung galt, tat Rollins etwas Radikales: Er verzichtete gänzlich darauf.
Zusammen mit den Größen Ray Brown am Kontrabass und Shelly Manne am Schlagzeug war Rollins Wegbereiter des akkordlosen Trio-Formats als Weg zu einem kreativeren und freieren Ansatz, der seinem Tenorsaxophon beispiellosen Raum gab, sich zu entfalten, zu improvisieren und die Musik vollständig zu dekonstruieren. Aufgenommen am 7. März 1957 im Los-Angeles-Studio von Contemporary, war der aus New York stammende Rollins auf Tournee im amerikanischen Westen und fühlte sich von der weitläufigen Landschaft zutiefst inspiriert. Das ikonische Coverfoto, aufgenommen von William Claxton in der Mojave-Wüste, verkörpert diese verspielte Energie und präsentiert Rollins als den neuen Sheriff in der Stadt
Das akkordlose Konzept des Saxophon-Giganten setzte sich später im selben Jahr fort, als er nur wenige Monate später mit dem Live-Meisterwerk „A Night at the Village Vanguard“ (1957) und der politisch brisanten „Freedom Suite“ (1958) die Grenzen weiter verschieben wollte. Diese drei Alben zeigten, dass der Verzicht auf das Klavier eher eine Befreiung als eine Einschränkung darstellte, und machten das akkordlose Tenorsaxophon-Trio zu einem Initiationsritus für nachfolgende Generationen von Saxophonisten, darunter Joe Henderson, Branford Marsalis und Joshua Redman.
Way Out West – Sonny Rollins
© Prestomusic, Classic Recordings, 19.8.2026