Free Jazz Collective Musiktipp: Reza Askari Roar Quintet – xAYb v8v dYAx / Boomslang
Von Eyal Hareuveni. Reza Askari ist ein in Köln lebender deutscher Kontrabassist, Komponist und Pädagoge (er ist Sohn eines im Iran geborenen Vaters und einer deutschen Mutter) und Professor für Jazzbass an der Hochschule für Musik Würzburg.
Seine Hauptband ist das Roar-Trio – mit dem Klarinettisten und Tenorsaxophonisten Stefan Karl Schmid und dem Schlagzeuger Fabian Arend, ergänzt durch den Vibraphonisten Christopher Dell (der ebenfalls als Dozent für Architektur, Städtebau und Raumplanung tätig ist) auf den letzten beiden Alben – dem selbstbetitelten Album (QFTF, 2022) und Zen World Cables (Boomslang, 2024). Das fünfte Album von Roar trägt den kryptischen Titel xAYb v8v dYAx, und das Trio wird dabei von Dell sowie der kanadischen Trompeterin Lina Allemano (die ihre Zeit zwischen Toronto und Berlin aufteilt) unterstützt. Das Album wurde im April 2026 im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln aufgenommen.
Das Roar-Quintett versucht nicht, die massiven polyrhythmischen Muster von Meshuggah oder anderen Metal-Bands nachzubilden, sondern fängt den nervösen, punkigen rhythmischen Geist solcher Bands ein. Dieses Quintett weigert sich, sich der gängigen, vertrauten Ordnung anzupassen, und fordert sich stattdessen mit wechselnden Kontrasten und strukturellem Chaos heraus, wobei es Askaris Kompositionen stets hinterfragt, verhandelt, negiert und neu zusammensetzt. Die codeartigen, palindromischen Titel der meisten Stücke verstärken dieses Gefühl. Das Ergebnis ist zum Nachdenken anregend, episch und lässt einen immer wieder zu dem Album zurückkehren – nicht, um die kryptischen Titel zu entschlüsseln, sondern um seinen freien Geist zu genießen. © Alle Texte: Eyal Hareuveni.
© Free Jazz Collective, 17.7.2026