Musik als „tönend bewegte Form“?
Nach hören …
Eduard Hanslick und sein Kampf gegen die „verrottete Gefühlsästhetik“
Von Jens Hagestedt
Ob Eduard Hanslicks berühmte These, Musik sei „tönend bewegte Form“ und nicht etwa Ausdruck von Gefühl, so radikal gemeint war, wie er sie formuliert hat, oder ob sie als bewusst überspitzte Reaktion auf die von ihm so empfundene „verrottete Gefühlsästhetik“ seiner Zeit zu lesen ist, darüber wird bis heute diskutiert. Auch, ob Hanslick seine eigene Ästhetik in späteren Texten relativiert hat, ist umstritten. Hanslicks unverminderte Präsenz in der musikästhetischen Diskussion hängt wohl damit zusammen, dass er klar eine Frage aufwirft, zu der jeder, der sich denkend mit Musik befasst, Stellung nehmen muss. Mit seiner ausgeprägten Fähigkeit, Menschen wohlwollend wahrzunehmen, verdient der vermeintliche „Kritikerpapst“ aber auch als Person Interesse. Hanslick hatte nichts Päpstliches. Er war auch kein Eiferer, geschweige denn ein kleinlicher Krittler. Die Figur des Beckmesser, die Wagner polemisch auf ihn gemünzt hat, verfehlt ihn vollkommen.