Carla Bley: Die Rebellin des Jazz wird 80
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Von Johannes Kaiser
Sie liebt vor allem die Bigband und hat deren Spiel revolutioniert: Carla Bley, die prominenteste Jazz-Komponistin unserer Zeit. Auch mit 80 Jahren lässt sie ihre Musik funkeln und jubilieren.
„Escalator over the hill“- diese verrückte, ausufernde, wild ausbrechende, alle Konventionen der Bigband sprengende Aufnahme gründete 1968 den Ruf Carla Bleys als fantasievolle, unkonventionelle Rebellin des Jazz. Auch wenn sie in all ihren Bands am Klavier gesessen hat, so hat sie sich doch stets vor allem als Komponistin und Arrangeurin verstanden.
„Ich fing mit drei Jahren an, das Klavierspielen zu lernen und habe da meinen Vater gefragt, wer die ganze Noten auf das Blatt gebracht hat, und er antworte: Jemand hat diese Musik geschrieben. Also fragte ich: Wie macht man das. Er gab mir ein leeres Blatt Notenpapier und sagte: Du malst einfach kleine Noten auf die Seite und dann kannst du es anschließend spielen. Also habe ich diese Seite mit kleinen Punkten ausgefüllt und ihm am nächsten Tag gebracht. Er sagte daraufhin: Das sind zu viele Punkte: Du musst die meisten ausradieren – und vielleicht hast du dann ein Stück. Seitdem mache ich das so: ausradieren, ausradieren, ausradieren.“
Als Barpianistin verdiente sie ihr erstes Geld
Carla Bleys Vater war Organist und Klavierlehrer. Im Kirchenchor sang sie auch mit. So wurde Musik für sie so selbstverständlich wie Essen und Trinken – einfach alltäglich. In ihrer Jugend spielte sie erst einmal in einer Rock-’n‘-Roll-Band mit. Dann verdiente sie sich als Barpianistin in Oakland ihr erstes Geld, bevor sie nach New York zog und die Jazz-Szene erkundete. Dort lernte sie ihren ersten Mann kennen, den vor kurzem verstorbenen Pianisten und Komponisten Paul Bley.
„Ich arbeitete als Zigarettenverkäuferin in einem Jazz-Club, ein Serviertablett um den Hals, und hörte im Birdland jahrelang so gut wie alle Jazzmusiker – und man hat mich sogar noch dafür bezahlt, dass ich zuhören konnte. Und ich denke, ich bin von all dem beeinflusst. Das steckt alles irgendwie in meinem Kopf und kommt heraus. Die meisten würden wohl sagen: Oh, das stammt von jemand anderem. Aber das macht mir nichts. Ich lasse es einfach drin.“
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© Deutschlandradio Kultur, Tonart, 11.5.2016