Musiktipps

Antonia Hausmann „Töne, die wie Gedanken sind“ Von Thomas Lindemann

Die Jazz-Posaunistin Antonia Hausmann fand durch ein Unglück zu ihrem Instrument. Dass sie nicht aufgab, ist dagegen ein Glück: Die Musikerin aus Leipzig ist eine Entdeckung.

Wie fängt man an? Das ist bei Musik immer die erste Frage. Wie wird aus der Stille ein Klang, wie entsteht etwas aus dem Nichts? Antonia Hausmann macht es so: Sie spielt ein F, danach ein As, sonst nichts. Nur diesen kleinen, hoffnungsvollen Schritt nach oben. Dann lange Stille. Der volle, tiefe Sound ihrer Posaune hängt im Raum.



So meldet sich gerade eine neue Stimme im deutschen Jazz zu Wort. Am 22. April erscheint ihr Album „Teleido­scope“, neun schöne, zauberhafte Nummern, gespielt von Hausmanns Quartett. Die Band hat zwar keinen Bass, aber neben der ohnehin wuchtigen Posaune noch eine Bassklarinette. Und der Schlagzeuger Philipp Scholz spielt dazu manchmal so, als wenn jemand in seiner Küche auf jede Dose und jedes Gläschen klopft. Um dann zu einem fetten Beat zu wechseln oder auch mal lange gar nichts zu spielen. Manchmal klingt diese Band wie ein Gebirge, das in sich zusammenstürzt und sich immer wieder neu aufbaut.



© FAZ, Feuilleton, 23.3.2022



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