Musiktipps

Barre Phillips und György Kurtág jr.: „Face à Face“ – Am Rande des Materiellen

Von Hans-Jürgen Linke. Barre Phillips und György Kurtág jr. arbeiten an abstrakten Klanggegenständen. Auf diesem Album hört man wenig von dem, was zu erwarten wäre. Kein Groove, nirgends. Wenig melodisches Material.

Kein elektronisches Geschwirre, keine Klangtapeten, keine gut gefüllten Schallräume. Barre Phillips, Kontrabass, und György Kurtág jr., Elektronik, beginnen ihre Musik da, wo andere Musiker aufgehört haben, wo Klischees, Erwartungen, Gewohnheiten und die gängigen Parameter nicht mehr hinreichen. Sie beginnen da, wo andere am Ende wären.



Gleich das erste Stück ihres gemeinsamen Albums „Face à Face“ trägt gewissermaßen als Titel die Bezeichnung dieses Ortes, an dem sie einander gegenüberstehen: „Beyond“, jenseits. Und damit ist nicht das Jenseits gemeint, die Todeszone, die Region des Transzendentalen. Nirgends ist es dunkel in dieser Musik, alles wirkt gleichmäßig hell und schattenlos ausgeleuchtet. Aber Jenseits ist kein bekannter Ort. Keine vertrauten Wege stehen hier zur Verfügung.



© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 29.12.2022

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