Musiktipps

Britische Indie-Plattenfirma él Records oder eine Verabredung mit Venus

Von Oliver Tepel (TAZ). Ein Buch und ein Sampler bringen die verwunschene Seltsamwelt des britischen Indie-Labels él Records zurück. Seine Popsongs wirken auch heute betörend.

Sie wollen sich verlieben? Warum nicht in eine Firma? Teile der bürgerlichen Welt hatten bald nach der Französischen Revolution 1789 bemerkt, wie sehr eine Identifikation bereichern kann, die weniger auf Genen und Herkunft gründet, aber umso mehr auf freier Wahl. Zunächst markierten ab Ende des 18. Jahrhunderts exzentrische Kleidungsstile das neue Ich, dann behaupteten etwas später kleine Verlage wie Kelmscott Press in England und der 1901 gegründete deutsche Insel-Verlag, in aufwendig gestalteten Büchern nur das Lesenswerteste ihrer Zeit zu bieten.

Was die Buchkunstbewegung um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert lehrte, machten dann nach 1945 US-Jazz-Plattenfirmen wie Blue Note und Impulse! zum Prinzip: Sie schufen eine wiedererkennbare Ästhetik durch Coverart. Dieser Stil zwischen Corporate Identity und Individualismus ermöglichte neue Bedeutungen wie auch Zugehörigkeit und flüsterte den Konsumenten zu: ­„Collect them all!“

© TAZ, Kultur, Musik, 15.4.2025

(Visited 83 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.