critic.de: In die Sonne schauen !
Ein Filmtipp von Ekkehard Knörer (critic.de). Das Jahrhundert in psychischen Innenräumen: Mascha Schilinskis brillantes Filmgedicht In die Sonne schauen inszeniert auf einem Bauernhof ein Spiegelkabinett der Geister und Echos, das von der Gewalt kündet, die im patriarchalen System steckt.
Die Geister, die in diesem Vierseithof hausen, hat niemand gerufen. Sie sind da, von Anfang an, sie gehen ein, aus und um. Werden festgehalten, verschwinden, kehren wieder als das Verdrängte. Festgehalten: schon in einer Fotografie. Sie zeigt ein Mädchen auf einer Couch, zur Seite gekippt wie eine Tote, Alma ihr Name.
Neben der Couch, da und nicht da, eine Person, unscharf, ein Geist, den das Aufzeichnungsmedium festhält, oder hervorbringt. Wiederkehr, später: Alma (Hanna Heckt), eine andere Alma, auch blond, der Toten ganz ähnlich, betrachtet dieses Bild von einer, die sie selbst ist und nicht ist. Ein Reenactment wird folgen, wie überhaupt vieles in diesem Film im Bann der Übertragung und des Wiederholungszwangs steht.
© critic.de, Texte: Ekkehard Knörer, 25.8.2025