„Den Schrullen verpflichtet“ Buch über Andrew Weatherall

Leidenschaft für musikalisches Außenseitertum: Das Buch „Andrew Weatherall. A Jockey Slut Tribute“ ist eine Verneigung vor dem britischen DJ. Von Julian Weber.

Gute Korkenzieher haben eine Seele. Gute DJs sind wie gute Korkenzieher, die der Musik auf den Grund gehen, ohne dass der Geist aus der Flasche entweicht. So einer war der Brite Andrew Weatherall, der vergangenes Jahr im Alter von 56 Jahren an einer Lungenembolie gestorben ist. Zu seinem Andenken haben Freunde und Kol­le­g:In­nen um das Magazin Jockey Slut aus Manchester nun ein Buch veröffentlicht. „Andrew Weatherall. A Jockey Slut Tribute“ liest sich so, wie es heißt: wie eine Verneigung vor einem Multitasker und umtriebigen Denker und Lenker am Dancefloor.

Und doch machte ihn die Leidenschaft für musikalisches Außenseitertum zugänglich, eben nicht zynisch und selbstzufrieden. „Als Jugendlicher dachte ich, mir gehört die Welt. Heute weiß ich, dass ich nichts weiß. Aber das ist auch interessant, denn es führt dazu, dass ich weiter lese, höre und aufnehme.“ In den zehner Jahren verschaffte ihm seine Leidenschaft für Bücher einen Job als „Probeleser“ für den Verlag Faber & Faber. Er tat sich mit dem Schriftsteller Michael Smith zusammen, flanierte durch London. Sie nahmen auch das Album „The Unreal City“ auf, in Anlehnung an „The Waste Land“ des Schriftstellers T. S. Eliot. „Wenn ich an Musik denke, kommt mir eher nicht der Weltraum in den Sinn, meist fällt mir das Seebad Clacton ein“, Weatherall war ein Lotse, der im Trockeneisnebel den Verkehr zwischen Tanzenden und Musik regelte und die Nächte orchestrierte, leicht erhöht von der Tanzfläche.

John Burgess (Hrsg.): „Andrew Weatherall. A Jockey Slut Tribute.“ Disco Pogo Publishing. London 2021, 158 Seiten, ca. 19 Euro.

Bei the weatherdrive sind im Netz viele Mixe von AW downloadbar.



© TAZ, Kultur, Musik, 28.4.2021



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