Der Komponist Josef Anton Riedl (1927-2016) „Experimentelle Strahlkraft“
Josef Anton Riedl war Erfinder, Ermöglicher, Netzwerker und über viele Jahrzehnte eine prägende Figur nicht nur für die Neue Musik Münchens. Von Julian Kämper.
Grundsätzlich interessierte er sich für jede Form von klanglicher Aktion, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung „nicht normal“ war. Der Blick in den Nachlass zeigt, was er als Komponist und Ermöglicher geschaffen hat.
Er war Leiter des Siemens-Studios für elektronische Musik, veranstaltete die Münchner Klang-Aktionen, realisierte unter dem Titel MUSIK/FILM/DIA/LICHT zahlreiche Multimedia-Kompositionen, kuratierte das Musikprogramm zur Olympiade 1972 und prägte zeitweise die BR-Konzertreihe musica viva mit: Josef Anton Riedl (1927-2016) war Ermöglicher, Netzwerker und über viele Jahrzehnte eine prägende Figur für die Neue Musik in München. Das führte auch zu Strahlkraft: kaum ein Vertreter der internationalen Avantgarde, der Riedl nicht irgendwann einmal begegnet war. Sein kompositorisches Schaffen war beeinflusst von der „musique conrète“ Pierre Schaeffers. Einen großen Raum in seinem Oeuvre nehmen Stücke für Schlagwerk – ganz in der Tradition seines Förderers Orff – sowie Lautgedichte ein. Und ganz grundsätzlich interessierte sich Riedl für jede Form von klanglicher Aktion, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung „nicht normal“ war.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 10.12.2024