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„Der Sound des alten Radios“ Ein melancholischer Blick auf ein altes Stück Radio von Daniel Kaiser.

Das Ende der Auslandsprogramme


Von Daniel Kaiser

Die Auslandsprogramme auf Kurzwelle waren der internationale Sound des Kalten Krieges: Radio Moskau gegen Voice of America. Deutsche Welle gegen Radio Berlin International. Und dazwischen Radio Schweden. Viele deutschsprachige Programme haben den Kalten Krieg nicht überlebt – unter anderem die legendäre deutsche Redaktion der BBC, bei der ja schon Thomas Mann im 2. Weltkrieg „Deutsche Hörer!“ über den Ärmelkanal gerufen hat. Jetzt wird auch Radio Schweden eingestellt.

Ausschläge wie bei einem EKG

Dieter Schäfer sitzt in seinem Hobbykeller im kleinen Ort Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg. In den Regalen steht fast ein Dutzend Radios. Der alte Röhrenempfänger hat bei dem 66jährigen aber ausgedient. Heute hört er die alte Kurzwelle mit einem Computer-Programm ab. Findet das einen Sender, sieht man auf dem Bildschirm Ausschläge wie bei einem EKG. Schäfers Haus erkennt man von weitem. Eine riesige Antenne ist wie eine Lanze aufs Dach montiert. Und eine kreisrunde Antenne im Garten holt noch die entferntesten Mittelwellensender in seinen Hobbykeller. Seit Jahrzehnten rauscht und piepst es aus seinen Radios. Er ist ein Kurzwellenjäger, ein sogenannter „DXer“. Das steht für Distance exchange. Je entfernter die Station desto besser. Und stolz berichtet er von seinem besten Fang auf der Kurzwelle.

Nebengeräusche gehören einfach dazu

Schäfer erzählt von seinem größten Erfolg: „Der wichtigste, das ist mir letzte Jahr gelungen, das sind die Solomon Islands auf 5030. Das ist schwierig. Das spannende ist, da jeden Abend zuzuhören und zu warten, ob da nicht doch mal eine Andacht von diesem Missionssender durchkommt.“ Dahinter steckt eher ein sportlicher Ehrgeiz. Viel verstehen kann man bei diesen Sendern nicht. Allerdings hat sich Schäfer im Laufe der Jahrzehnte eine gewisse Langmut antrainiert, wenn es um Nebengeräusche im Radio geht: „Das gehört dazu. Es ist kein UKW-Empfang. Als Kurzwellenhörer bekommt ein Gespür dafür und kann dann das Rauschen im Kopf herausfiltern. Natürlich kann man die meisten Sender auch im Internet hören. Das ist einfacher und störungsfrei, Aber da ist bei uns dieser Virus einfach drin. Das Schöne beim Kurzwellenhören ist, dass die Empfangsbedingungen jeden Tag andere und nicht vorhersagbar sind. Das ist der große Spaß dabei.“

© NDRInfo, Forum am Sonntag, 9.10.2016

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