Nachhören

Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2025

Konzerte vom 25.10.2025 mit Moses Yoofee Trio und hr-Bigband feat. Butcher Brown – Beats’n’Brass.

Moses Yoofee Trio 

Das Trio um den Berliner Tastenvirtuosen und Produzenten Moses Yoofee ist eine der angesagtesten deutschen Bands, mit Auftritten in ganz Europa und in den USA, etwa beim legendären Newport Jazzfestival. Seit ihrer Gründung im Jahr 2020, der ersten EP „Ocean“ drei Jahre später und dem Deutschen Jazzpreis als bester Live-Act 2024 geht es für die drei ziemlich steil aufwärts. Dabei ging es zunächst nur darum, gemeinsam Spaß zu haben.

Bassist Roman Klobe und Moses Yoofee trafen sich zufällig bei einer Session an einer Berliner Musikschule und „konnten nicht mehr aufhören“. Den Münchner Schlagzeuger Noah Fürbringer entdeckten sie durch seinen Instagram-Channel und luden ihn nach Berlin ein. Während der Pandemie jammten die drei wöchentlich zusammen und fanden so zu ihrem Sound und einem Workflow, bei dem Gruppenimprovisation und Kompositionen aller Musiker eine gleichberechtigte Rolle spielen. „Uns ist es wichtig, klarzustellen, dass wir alles zusammen machen“, sagt Yoofee im Interview, „es gibt keinen Bandleader. Wir könnten genauso Roman Klobe Trio oder Noah Fürbringer Trio heißen.“ 

Gefragt nach ihren Einflüssen, nennen sie Namen wie Robert Glasper oder Kaidi Taitham, aber auch J Dilla und Acts wie Kamaal Williams und Alfa Mist. Ihr Trio-Sound fusioniert Jazz, Hip-Hop, Broken Beats und mehr zu einer energiegeladenen, virtuosen Mixtur. „Wenn du Jazzmusiker fragst, haben glaube ich die allermeisten Probleme damit, zu sagen, sie machen einfach Jazz“, gesteht Roman Klobe im Interview. „Wir sagen es einfach, weil wir müde vom Beschreiben sind“, ergänzt Moses Yoofee, worauf Klobe den Begriff „Instrumentalmusik“ vorschlägt. „Ich finde, dass Robert Glasper die Konsequenz von Herbie Hancock ist – und Herbie Hancock ist selbst eine Konsequenz.“ 

Yoofee, Klobe und Führbringer sind damit typisch für ihre Generation. Nicht dass sie kein Interesse an oder keinen Respekt vor den alten Meistern hätten. Yoofee hat während seiner Jazzstudien etwa eine Master Class bei der Bebop-Legende Barry Harris besucht. Aber er sagt auch, „natürlich kannst du dich hinsetzen und Geschichte auschecken, genauso wie du dich politisch weiterbilden kannst. Wenn du das möchtest und der Typ dafür bist. Aber ich würde es niemandem übel nehmen, Fan von Snarky Puppy zu sein, ohne zu wissen, wer Weather Report ist. Aus eigener Erfahrung.“ 

Die Beschäftigung mit der Geschichte kann schließlich auch lähmen. Und zwischen dem Produzieren oder Spielen für Pop-Acts wie Peter Fox oder Casper und dem Touren mit der eigenen Musik, bleibt sowieso nicht für alles Zeit. Viel wichtiger für Yoofee, Klobe und Führbringer ist, dass sie sich in ihren eigenen Live-Shows auf die Suche nach jenem magischen Moment in der Improvisation begeben, der jeden Abend zu einem besonderen Erlebnis macht. Und damit stehen sie ganz fest in der Jazztradition.  © Texte: Deutsches Jazzfestival Frankfurt

Mosef Yoofee: Tasten 
Roman Klobe-Baranga: Bass 
Noah Fürbringer: Schlagzeug   

hr-Bigband feat. Butcher Brown – Beats’n’Brass  

„Wir sind sowas wie die südlichen Cousins der Leute in New York“, antwortet Schlagzeuger Corey Fonville auf die Frage, was die Musikszene von Richmond, Virginia so besonders macht. In der Hauptstadt des nördlichsten der amerikanischen Südstaaten führt die Begegnung von nördlicher Urbanität mit südlicher Tradition zu einer besonders bunten Kulturszene. Butcher Brown, vor 15 Jahren in Richmond gegründet, ist der Musik gewordene Ausdruck dieses Schmelztiegels.

Ohne Scheu vor Genre- oder Zeitgrenzen mischen die fünf Instrumentalisten Jazz, Funk, R&B, Hip-Hop und mehr zu einem groovenden Cocktail, der in die Beine geht. D’Angelo, Miles Davis, Return to Forever oder das Robert Glasper Experiment sind nur einige der Einflüsse, die Butcher Brown in ihrer Musik verarbeiten. In ihrem Youtube-Video aus der hoch renommierten Tiny-Desk-Serie von NPR agiert Trompeter und Saxofonist Marcus Tenney alias Tennishu z. B. auch als kompetenter Rapper und Sänger. 

Bei der Konzeption ihrer Alben gehen die Bandmitglieder, die alle auch als Musikproduzenten tätig sind, zeitgemäß vor, indem sie z. B. wie Hip-Hop-DJs nach passenden Samples für den jeweiligen Song suchen. Diese „Samples“ spielen sie dann allerdings als Instrumentalisten live ein. So entstehen Klänge, die gelegentlich wie eine Zeitreise wirken: Als hätte ein Jazzclub der 1920er-Jahre Disco und House für sich entdeckt.  

Der Blechturbo der hr-Bigband wird diesem ohnehin schon ansteckenden Klanggemisch zusätzliche Opulenz und weiteren Drive verschaffen. Darum wird vor der Bühne an diesem Abend Platz zum Tanzen geschaffen. Und natürlich geben wir der Jazzpolizei dienstfrei. © Texte: Deutsches Jazzfestival Frankfurt

Tennishu: Trompete Saxofon, Vocals
Sam Fribush: Tasten 
Morgan Burrs: Guitar 
Andrew Randazzo: Bass 
Corey Fonville: Schlagzeug und Perkussion 

© HR 2, Konzert, 25.10.2025

(Visited 40 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.