Die Jazzpianisten Wollny und Kühn: In tiefem Einvernehmen
Von Stefan Michalzik. Die Jazzpianisten Joachim Kühn und Michael Wollny in der Alten Oper und auf dem Terrain fundamentaler Freiheit.
Das Verhältnis von Michael Wollny (Jahrgang 1978) und Joachim Kühn (Jahrgang 1944) ist eines von Bewunderer und prägendem Vorbild – dessen wohl wichtigste Lehre der Impuls war zu einer alsbaldigen Loslösung und Herausbildung einer eigenen Statur. Andernfalls hätte der beinahe dreieinhalb Jahrzehnte jüngere den älteren im Kern nicht verstanden. 15 Jahre liegen die ersten gemeinsamen Konzerte der zwei Pianisten zurück, zuerst dokumentiert auf der 2009 veröffentlichten Einspielung „Piano Works IX: Live at Schloss Elmau“; nun sind sie im Zuge von Wollnys Jazzresidenz in der Frankfurter Alten Oper im Mozartsaal erneut miteinander aufgetreten.
Im Zusammentreffen von Michael Wollny und Joachim Kühn, die ein jeder zu den maßstabsetzenden Jazzpianisten ihrer Generation gehören, ist nicht im engeren Sinne „Reibung“ zu verzeichnen, wie sie in Kritiken gerne mal für die instrumentale Interaktion im Jazz eingefordert wird.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, 24.1.2023