Die Musik kommt vor dem Mord: Wie man den Soundtrack zu Serien wie „The Serpent“ komponiert von Hanspeter Künzler
Dominik Scherrer hat den Soundtrack zur BBC-Serie «The Serpent» mitgestaltet. Der Schweizer Musiker, der sich immer mehr profiliert als einer der wichtigsten Serien-Komponisten, sucht den Dialog zwischen Bild und Ton.
Die Geschichte ist furchtbar. Sie spielte sich in den aufgewühlten 1970er Jahren ab. Charles Sobhraj – indischer Vater, vietnamesische Mutter, französischer Pass – jettete mit Sonnenbrille, falschen Papieren und Playboy-Manieren durch Südostasien. Sein Leben finanzierte er mit Betrug und Mord von Hippies. Mindestens zwölf Menschenleben hat der heute 77 Jahre alte, in Nepal inhaftierte Verbrecher auf dem Gewissen.
Die achtteilige Serie «The Serpent» zeigt, wie erst die Nachlässigkeit der Lokalbehörden die Verbrechen ermöglichte. Die historische Präzision bezüglich Farben, Gewändern und Zigaretten ist frappant. Und Ähnliches gilt auch für den Soundtrack. Dieser prägt die Stimmung einerseits mit einer ungewöhnlichen Auswahl zeitgenössischer Pop-Songs (die Palette reicht von Jacques Dutronc über Brainticket bis Rolling Stones und Harry Nilsson). Andererseits hat der in London lebende Schweizer Musiker Dominik Scherrer neue Instrumentalstücke komponiert.
Dank seinen Erfolgen wird Scherrer inzwischen schon früh in kreative Prozesse mit einbezogen. Auf diese Weise kann er Ideen einfliessen lassen, die dann auch den Schnitt der Bilder beeinflussen. Derzeit hat er drei Produktionen in Arbeit, darunter eine italienische Netflix-Serie, die in den 1960er Jahren spielt. «Früher hat man dann zuletzt noch den Scherrer gefragt, wenn alle anderen abgesagt haben», lacht er. «Jetzt bin ich ab und zu erste Wahl, noch bevor sie Hans Zimmer fragen.»
© NZZ, Feuilleton, 18.5.2021