„Drohnen, Tränen und Liebestod“ Neue Musik aus der Ukraine
Von Yelizaveta Landenberger (TAZ). Musik aus der Ukraine ist experimentierfreudig, stilistisch vielfältig und trotzt der prekären Lage im Krieg. Ein Überblick zu spannenden neuen Alben.
„Mein Herz, meine Rosenblüte!“, eine leicht schiefe Stimme singt auf Ukrainisch und wird dabei von einer melancholischen Klaviermelodie begleitet. „Es bricht mir das Herz, dass du weit weg von mir gehst, und ich kann nicht …“
Die Worte stammen aus einem Liebesbrief des Kosakenhetmans Iwan Masepa an seine weit jüngere Geliebte. Statt weiterer Worte setzt dann ein Pfeifen ein, scheinbar verlorene einzelne, wenig zusammenhängende Pfeiftöne; und von der Stimme sind mal fröhliche „Lalalas“ zu vernehmen, mal wuchtige, fast aggressive „Param Params“, eingebettet in eine kitschige Liebeslied-Hookline. Schließlich entwickelt sich das über zehnminütige Lied, erweitert um elektronische Beats zur zeitgenössischen Tanzmusik.
Es handelt sich um „Heartily“, dem Auftakt von insgesamt vier Tracks auf dem vor Kurzem als physischem Tonträger auf Vinyl und auch digital erschienenen Werk „Liebestod“ der Komponisten und Musiker Alexey Shmurak und Oleh Shpudeiko. Zugleich ist es die allererste Veröffentlichung des experimentellen Musiklabels „Kyiv Dispatch“.
© TAZ, Kultur, Musik, 2.5.2025