Ein Wegweiser durch das aktuelle Werk des Jazzpianisten Vijay Iyer von Marshall Gu für Bandcamp
Nur wenige Jazzkünstler haben ihr Netz in Bezug auf die Songauswahl so weit ausgeworfen wie der Pianist Vijay Iyer. In seiner Diskografie hat sich Iyer mit seinen Jazz-Helden Thelonious Monk und Steve Coleman auseinandergesetzt, aber auch mit Pop/R&B-Legenden wie Michael Jackson und Stevie Wonder oder mit modernem Glitch und Hip-Hop wie Flying Lotus und M.I.A., oft auf ein und demselben Album.
Iyer entstammt einer langen Geschichte von Jazzpianisten, und man kann verschiedene Einflüsse in seinem Stil erkennen: Andrew Hill, Bud Powell, Duke Ellington und Thelonious Monk sind in seinen perkussiven und spielerischen Erkundungen hörbar, während er seine eigene Klangsprache weiter vorantreibt. In Playing Changes: Jazz for the New Century stellt Nate Chinen fest, dass Iyers Spiel seine indisch-amerikanische Identität zum Ausdruck bringt. Der in New York als Sohn indischer Einwanderer geborene Iyer beschäftigte sich mit einem klassischen indischen Musikstil, der karnatischen Musik, und übernahm deren rhythmische Zyklen in seine Lieder, was seinen Songs einen herzschlagartigen Puls verleiht. Iyers Kompositionen sind in der Regel in einer grübelnden Moll-Tonart gehalten, aber seine Improvisationen sind lebhaft, wobei er seine unglaublich geschickten, langen Finger einsetzt.
Nach dem Erscheinen von Uneasy im Jahr 2021 hat Bandcamp sich mit Vijay Iyer zusammengesetzt, um seine beeindruckende Diskografie zu durchforsten.