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„Emotion Lotion“ Leben auf der Soundtrack-Wolke Von Ulrich Bassenge

Woher kommt die überraschende Beliebtheit der Filmmusik? Eigentlich als funktionaler Firnis konzipiert, in den frühen Tagen des Kintopp sogar nur, um das Rattern des Projektors zu übertönen, schmücken Soundtracks heute als Wellness-Spender CD- und Downloadsammlungen nicht nur der digitalen Boheme. Höhere Töchter und mancher Sohn spielen „Piraten der Karibik“ und „Die fabelhafte Welt der Amélie“ auf dem Digitalpiano.

Von Ulrich Bassenge

Die emotion lotion (Quincy Jones), das Gleitgel zur Lubrikation ungelenker Darstellungskunst, rumpelnder Dialoge und allgemeinen schlechten Timings, sieht sich plötzlich vom schnöden Stimmungskleister zum Lebens-Enhancement befördert.

Wahrscheinlich ist das gar kein Widerspruch, denn „im spätindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten“ (Theodor W. Adorno).

Und so kippen die Werktätigen mehr von der süßen Soße über den bitteren Alltag. Ulrich Bassenge, der selbst Jahre seiner Jugend als Filmkomponist in den Fertigungsstraßen der cineastischen Geschmacksverstärker-Industrie vergeudete, denkt noch einmal gründlich über die Sucht nach dem Soundtrack nach.

Manuskript PDF

© SWR 2, Essay, 21.5.2018

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