„Epitaph for John“ Cut-Ups gegen das Vergessen: Der Klangkünstler John Watermann

In seiner Audiokunst nutzte John Watermann intensiv Cut-Up-Collagen, Feldaufnahmen und elektronische Verfremdungen. Während er selbst weitgehend unbekannt blieb, diente er aktuellen Protagonisten experimenteller Elektronikmusik als Inspiration. Mit Heinrich Deisl.

„Epitaph for John“ ist eine Compilation, die das Schaffen des 2002 verstorbenen John Watermann erfahrbar macht. Der „Zeit-Ton“ präsentiert „Epitaph for John“ in fast voller Länge.

John Watermann wurde 1935 in Berlin geboren und verstarb im April 2002 in Brisbane. Er war als Fotograf, Filmemacher und Schmuckdesigner tätig, erst 1988, mit 53 Jahren, begann er, Musik zu produzieren. Ab dann erschienen in 14 Jahren in verschiedenen Projekten an die 40 Veröffentlichungen, die er überwiegend auf seinem Label Nightshift Records herausbrachte. Zu seinen Kollaborationspartnern zählten der Noise-Musiker Akita Masami aka Merzbow und Ralf Wehowsky von der Frankfurter Klangkunst-Gruppe P16 D4. Die Anthologie „Brisbane Electronic Music“ (2014) sieht ihn als Pionier australischer Elektronik-Produktionen.

Die 2005 auf dem vom niederländischen Musiker und Verleger Frans de Waard betriebenen Label Korm Plastics erschienene Zusammenstellung „Epitaph for John“ ist eine Hommage mit fünf Stücken von Merzbow, dem Komponisten Asmus Tietchens u.a.
Watermann arbeitete maßgeblich mit Sprach-Samples und Tape-Loops, über die er teils abstrakte, teils sehr rhythmisierte Elektronikflächen legte. Viele seiner Stücke lassen sich auf der Oberfläche als Vorwegnahme von Techno und Klangkunst sehen. In ihrem Inneren sind sie, wie der Radio-Journalist Ben Byrne in „Epitaph“ schreibt, von seinen Erfahrungen als jüdischer Junge in der NS-Zeit und von ironisch gebrochenen Stimmungen des Kalten Krieges geprägt.

Im „Zeit-Ton“ gibt es aus Anlass von John Watermanns Tod vor 20 Jahren anhand von „Epitaph for John“ Ausschnitte aus seinem Schaffen zu hören.


© Ö1, Zeit-Ton, 23.6.2022


Komponist/Komponistin: John Watermann
Titel: Blue Nazi Lagoon Teaser
Album: Warmth Is The Fifth Room (1988)
Ausführende: John Watermann – Elektronik, Samples
Länge: 04:01 min
Label: Nightshift Rec. – NR001

Komponist/Komponistin: John Watermann
Titel: First Shudder Project: An Intellectual Challenge To Convert Victims Into Heart-Shaped Soap
Album: Calcutta Gas Chamber (1993)
Ausführende: John Watermann – Elektronik, Samples
Länge: 02:21 min
Label: N D – NDCD03

Komponist/Komponistin: Asmus Tietchens
Titel: JWAT (2003)
Album: Various Artists: Epitaph For John (2005)
Ausführende: Asmus Tietchens – Elektronik
Länge: 06:23 min
Label: Korm Plastics – kp3016

Komponist/Komponistin: RLW
Untertitel: John Watermann (Feldaufnahmen)
Titel: Seeking Perfection – Somewhere Else (2004)
Album: Various Artists: Epitaph For John (2005)
Ausführende: Ralf Wehowsky – Elektronik, Sitar
Reto Mäder – Orgel, Elektronik
Länge: 06:52 min
Label: Korm Plastics – kp3016

Komponist/Komponistin: Merzbow
Untertitel: John Watermann (Feldaufnahmen)
Titel: Untitled For John (2004)
Album: Various Artists: Epitaph For John (2005)
Ausführende: Masami Akita – Elektronik
Länge: 04:48 min
Label: Korm Plastics – kp3016

Komponist/Komponistin: Freiband
Titel: Threnody feat. Asmus Tietchens, RLW and Merzbow (2004)
Album: Various Artists: Epitaph For John (2005)
Ausführende: Frans de Waard – Elektronik, Mix
Länge: 05:20 min
Label: Korm Plastics – kp3016

Komponist/Komponistin: John Watermann
Titel: Toowong Cemetary (2001)
Album: Various Artists: Epitaph For John (2005)
Ausführende: John Watermann – Feldaufnahme
Länge: 07:53 min
Label: Korm Plastics – kp3016

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