„Es gibt keinen Neuschnee“ Eine Lange Kurt-Tucholsky-Nacht
Von Hans Bräunlich. Gedichte, Chansons, Prosatexte: Kurt Tucholsky war eine der originellsten Figuren der deutschen Literatur. In der Tradition Heinrich Heines stehend, versuchte er in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts verändernd auf seine Zeit einzuwirken.
1890 in Berlin geboren, war Kurt Tucholsky eine der originellsten Figuren der deutschen Literatur. In der Tradition Heinrich Heines stehend, suchte er in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, mit seinen satirischen Gedichten, Chansons und Prosatexten verändernd auf seine Zeit einzuwirken. Die entlarvenden Porträts des bornierten deutschen Spießers wie des duldsamen Proleten, der reaktionären Militärs und Politiker wie der sozialdemokratischen Funktionäre machten ihn zu einem der scharfsichtigsten literarischen Chronisten der Weimarer Republik, der ihr schlimmes Ende früh voraussah. Zugleich blieb er ein ironisch-liebevoller wie scharfzüngiger Beobachter menschlichen Alltags. Ein Thema bewegte ihn besonders: die konfliktreichen Geschlechterbeziehungen. Denn: der „innerlich weinende Clown“, wie er sich selbst charakterisierte, mochte Frauen sehr und sie fühlten sich offenkundig von ihm ebenso angezogen. Am Ende aber gab es nur eine Frau, der er über den Tod hinaus verbunden bleiben wollte. 1935 starb Kurt Tucholsky im schwedischen Exil, nachdem er sich drei Jahre zuvor ins literarische Schweigen geflüchtet hatte und nur noch in Briefen zu Wort meldete. Diese Collage aus seinen Texten ist eine Annäherung an den Dichter in drei Kapiteln: „Heute zwischen gestern und morgen“, „Ich habe nur eine Frau in meinem Leben geliebt“, „Nachher oder Wenn eena dot is“.
„Es gibt keinen Neuschnee“
Eine Lange Kurt-Tucholsky-Nacht
Von Hans Bräunlich
Regie: Rita Höhne
(Wdh.v. 25.12.2010)
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 2.8.2025