Essay: „Ende ohne Ende“ Die Dauerverheißungen der Apokalypse
Von Jürgen Kaube. Ständig wird das Ende großer gesellschaftlicher Sachverhalte ausgerufen: das Ende des Staates, des Kapitalismus, der Arbeit, der Geschichte oder gar des Menschen. Woher kommt der apokalyptische Ton in vielen Zeitdiagnosen?
Der Untergang des Abendlandes wurde ebenso diagnostiziert wie das Verschwinden des Eigentums oder das Ende der Ideologie. Zuletzt war nun viel davon die Rede, woran die Demokratie zugrunde gehen könnte.
Wo das Ende diagnostiziert wird, geht es vor allem darum, die schlimmsten Folgen abzuwenden. So bezeichnet sich Teil der Jugend als „Letzte Generation“, das Ende des bewohnbaren Planeten ist ihr Thema. Umsteuern ist ihr Ziel, damit die nächsten Generationen doch noch ganz gut leben können.
Im Zeichen der nuklearen Bedrohung wurde vor 40 Jahren ganz ähnlich gesprochen, auch da war das Ende präsent. Wie ist diese Angstlust zu verstehen?
Jürgen Kaube, geboren 1962, ist Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 2015 erhielt er den Ludwig-Börne-Preis. Er hat unter anderem eine beachtliche Max Weber-Biographie geschrieben („Max Weber – Ein Leben zwischen den Epochen“, 2014), für „Hegels Welt“ (2021) wurde er mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Mit Büchern wie „Otto Normalabweicher“ (2007) oder „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder“ (2019) mischt er sich immer wieder in aktuelle Debatten ein, dazu gehört auch das mit dem Soziologen André Kieserling geschriebene Werk „Die gespaltene Gesellschaft“ (2022).
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 27.7.2025