Musiktipps

FAZ – Pop-Anthologie : Warten auf den Regen. Von Jan Wiele

„Riders on the Storm“ von den Doors ist einer der meditativsten Popsongs aller Zeiten. Er kann in Trance oder in Ekstase versetzen – und ist dabei in jeder Sekunde eine musikalisch virtuose Feier des Regens.

Das letzte Gewitter ist fast vier Wochen her, und während das Nächste in der Wettervorhersage beständig um noch ein paar Tage verschoben wird, hat sich, wie von selbst, ein Ritual des Daraufwartens eingestellt: Jedes abendliche Kochen beginnt mit „Riders on the Storm“ als Soundtrack. Es plinkert und pluckert, rauscht, zischt und kracht: eine musikalische Beschwörung des Regens, den alles Leben so dringend braucht, und der andererseits auch gefährlich werden kann.

Es ist wohl einer der meditativsten Popsongs schlechthin, grundiert von großem Wetterdrama und dieses auch musikalisch aufführend. Der Gewittersturm wirkt dabei aber weniger bedrohlich als einlullend, von den ersten Takten an ist dem Hörer klar, dass er dieser Übermacht sowieso ausgeliefert ist, sich fügen muss. Man kann dazu auch autofahren, trinken, rauchen, schreiben oder sonstwas tun: höchstwahrscheinlich mit dem Effekt, dass diese Tätigkeit veredelt wird, überzogen mit einem diffusen, womöglich trügerischen Gefühl der Bedeutsamkeit oder zumindest dem, genau in diesem Moment genau das Richtige zu tun (und was könnte besser sein als das?).




© FAZ, Feuilleton, 18.8.2022

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