Musiktipps

Für Marilyn Mazur R.I.P. (18.1.1955 – 12.12.2025)

Von Jan Granlie (salt.peanuts.eu). Oft gibt es viel zu viele traurige Nachrichten über Musiker, die verstorben sind, was ein natürlicher Teil des Lebens ist. Aber dass Fredrik Lundin heute Abend in den sozialen Medien bekannt gab, dass Marilyn Mazur diese Welt verlassen hat, war ein großer Schock.

Zu Marilyn Mazur kann ich selbst nicht viel sagen. Ich habe sie nie live erlebt und kenne zu wenig Musik von ihr. Umso besser, dass Jan Granlie umso mehr über sie zu sagen hat. @radiohoerer

Anfang des Jahres wurde bei ihr Krebs diagnostiziert, und nun hat sie diese Welt verlassen, vielleicht um ihren Platz in der ewigen Jam-Session zu finden, zusammen mit Miles Davis, Niels-Henning Ørsted Pedersen und all den anderen Legenden.
Marilyn Mazur wurde am 18. Januar 1955 in New York geboren und starb am 12. Dezember. Sie war eine dänisch-amerikanische Perkussionistin. Seit ihrem sechsten Lebensjahr lebte sie in Dänemark. Als Kind spielte sie klassisches Klavier und tanzte Ballett. Sie absolvierte ihre Ausbildung am Königlich Dänischen Musikkonservatorium, war aber ansonsten autodidaktische Perkussionistin.


Sie erhielt 1983 den Ben-Webster-Preis und gründete im selben Jahr ihr Jazzquartett mit dem Saxophonisten Uffe Markussen. Anfang 1985 war sie Musikerin auf dem fast schon legendären Album Aura mit Musik von Palle Mikkelborg und sogar Miles Davis. Einige Monate später engagierte Miles Davis sie für seine Band, die auf Welttournee gehen sollte. Während dieser Zeit wirkte sie auf dem Miles-Album Live Around the World mit. 1987 tourte sie mit dem Saxophonisten Wayne Shorter, kehrte aber im folgenden Jahr, 1988, zur Band von Miles Davis zurück. 1989 hatte sie genug vom Leben mit Weltstars auf Tournee und dem intensiven Musikerdasein in New York und gab ihre Starrolle bei Miles Davis auf. Von nun an wollte sie sich auf ihr neues siebenköpfiges Orchester Future Song konzentrieren, das viele Jahre lang ihre Hauptbeschäftigung als Musikerin war. Sie spielten Fusion-Jazz und sind bekannt für spektakuläre Konzerte, an denen unter anderem Chorsänger und Tänzer teilnehmen.

1990 brachte sie ihren Sohn Fabian zur Welt, und im Jahr darauf trat sie Jan Garbareks Band bei. Sie erhielt 2001 den großen dänischen „Jazzpar-Preis” und 2004 den „Editon Wilhelm Hansens Komposerspris”, 2007 den Telenor-Kulturpreis und 2010 den ersten internationalen EuroCore – JTI Jazzpreis. In den letzten Jahren hat sie auch ihre Band Shamania mit ausschließlich Musikerinnen gegründet. Darüber hinaus spielt sie regelmäßig mit der Pianistin Makiko Hiraboyashi, zusammen mit Marilyns langjährigem Unterstützer, dem Bassisten Klaus Hovman, und in den letzten Jahren mit Fredrik Lundin als Saxophonist.


Während meiner sieben Jahre in Kopenhagen hatte ich das Vergnügen, Mazur mehrmals zu hören, sowohl mit ihrer Stammband als auch in spontaneren Kontexten. Und jedes Mal war es eine Freude, sie auf der Bühne zu hören. Dass sie eine große Vorliebe für Tanz hatte, konnte man fast an ihrem Spiel hören, das von ihrem Hintergrund im modernen Tanz geprägt war. Ihr Rhythmusgefühl, das sie von ihrem Platz hinter dem riesigen Schlagzeug aus einbrachte, prägte immer die musikalische Umgebung, wie zum Beispiel bei den sechs Konzerten, die sie 2008 als Artist in Residence beim Moldejazz gab.


Es war immer schön, Marilyn vor oder nach den Konzerten oder auf der Straße hier in Norwegen und in Kopenhagen zu treffen. Sie war immer eine freundliche und nette Person, die eine ganz eigene Aura um sich hatte. Die große Jazzfamilie in Dänemark und dem Rest der Welt wird Marilyn lange vermissen, und sie wird vielen jungen Jazzmusikern, insbesondere Schlagzeugerinnen und Perkussionistinnen, die sie als großes Vorbild und Mentorin hatten, als große Inspirationsquelle in Erinnerung bleiben.


Ruhe in Frieden, liebe Marilyn. Meine Gedanken gelten hauptsächlich Klaus und ihrer Familie sowie all ihren guten Freunden in der dänischen Musikszene und allen in der Jazzszene weltweit, die diese strahlende Persönlichkeit und Musikerin vermissen werden.


© Text, Foto und Videoauswahl: Jan Granlie

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