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Für Philip Jeck: Vinyl Coda I – IV

Seine Vinyl-Coda wird wohl für immer im kollektiven Gedächtnis, als das vielleicht wichtigste Werk von Phlilip Jeck bleiben. Siehe dazu auch den folgenden Text. Besser kann man es wohl nicht beschreiben. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass die Vinyl-Coda im Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk entstand!

In seinen Händen schafft ein so einfaches Werkzeug wie ein Hammer, der den Arm des Plattenspielers blockiert, eine Schleife mit einem Hauch von Ewigkeit. Zwei oder drei solcher Hämmer können musikalische Galaxien erschaffen, die weit über die Reichweite traditioneller Instrumente hinausgehen und in denen noch nie ein menschliches Ohr gewesen ist.

Von unidentifizierbarem Rumpeln und Knirschen bis hin zu brillanten Instrumentenschnipseln und komischen Stimmfragmenten klebt Philip Jeck Klänge zusammen, als wären sie nie dazu bestimmt gewesen, für sich allein zu existieren. Ob es nun Pachelbels Kanon oder Tanzmusik aus den 90ern ist, die sich auf Philips Vinyl befindet, aber was wir in der Vinyl-Coda hören, ist seine ganz eigene musikalische Stimme – artikuliert mit einem perfekten Sinn für Struktur, Spannung und Klang


„Vinyl Coda“ ist eine Komposition für 12 Plattenspieler und präparierte Schallplatten. Als Ursendung und Produktion des Bayerischen Rundfunks findet erstmals eine Performance des Soundkünstlers Philip Jeck aus Liverpool live im Radio statt. Jeck besitzt eine Sammlung von Dansette-Kofferplattenspielern aus den 50er/60er Jahren, die mit verschiedenen Geschwindigkeiten zwischen 16 und 78 upm arbeiten und teils auch mechanisch manipuliert sind. Bestückt werden diese Plattenspieler mit unterschiedlichsten Schallplatten aus Flohmarktfunden. Jeck präpariert das Vinyl, z.B. mit Klebern und Kratzern. „loop ’n‘ scratch“ nennt der Künstler seine Kompositionen für veraltete HiFi-Geräte. Bis zu 180 Dansette-Spieler hat er bei seinen Performances als Orchester zur Verfügung. „Bei geloopten Platten oder Tonbändern kümmert sich die rhythmische Struktur um sich selbst. Ich höre die Klänge und verändere die Geschwindigkeiten und die Klangregelung der Plattenspieler. Ich spiele einfach so lange an den Reglern herum, bis es richtig klingt“. (Philip Jeck)




Text zur Vinyl-Coda IV:

Eine Live-Performance mit dem britischen Soundkünstler, der ein aus Plattenspielern bestehendes Orchester betreibt, bietet folgendes Szenario: Philip Jeck ist umgeben von seiner persönlichen Sammlung antiker Schallplattenspieler. Er geht zwischen ihnen hin und her, unaufgeregt, konzentriert. Die Platten aus verschiedenen Epochen werden angespielt, geschnitten, unterbrochen, überlagert, gecrackt, gescratched. Die Musik als akustisches Erlebnis wird zu einer Reise in die Vergangenheit, zum Wiederaufleben der Lebensgefühle der verschiedenen Generationen der 50er, 60er, 70er Jahre. Mit Hilfe von Delays und der Samplingtasten des Keyboards schichtet Jeck die Loops zu Clustern. Fragmente ballen sich zu Klangmassen, die sich gegeneinander verschieben und aus sich selbst heraus Rhythmen bilden. „Durch akustische Schleifen von Tonband oder Schallplatte beginnt die Technik, ihre eigene Rhythmik zu finden. Ich höre den Ton und ändere dann die Klangregulierung am Aufnahmegerät. (…) Ich werkle daran herum, bis es richtig klappt.“ Jeck verlangsamt oder beschleunigt die Umlaufgeschwindigkeit, er präpariert die Platten mit Skalpell und Kleber, sodass der Tonabnehmer aus der Rille springt und die Sentenzen sich endlos wiederholen, er benutzt Gleichlaufschwankungen der alten Plattenspieler als ein musikalisches Element. Am Mischpult fügt Jeck dann die verschiedenen Spuren zu einem Klangereignis zusammen. Aus den sich wiederholenden und variierenden Fragmenten komponiert Jeck seine Stücke: immer live und daher nie voraussehbar, denn so manches altersschwache Gerät gibt während der Aufführung den Geist auf. Die CD „Vinyl Coda“ (intermedium rec) setzt sich aus drei Kofferplattenspieler-Konzerten des Liverpooler Künstlers zusammen, die als Live-Performances 1999 im BR-Studio in München und bei der „intermedium 1“ in Berlin entstanden. Das erste Stück „Vinyl Coda“ wurde von der Deutschen Akademie der darstellenden Künste als „Hörspiel des Monats Februar 1999“ ausgezeichnet, für „Vinyl Coda II“ erhielt Jeck den Karl-Sczuka-Förderpreis.

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