Medientipps

„Gedruckte Zeitungen oder der Tod eines Kulturguts“

Eine Kolumne von Georg Seeßlen (TAZ). Printzeitungen sterben, und der Demokratie geht es auch nicht besonders gut. Möglicherweise hat das eine doch etwas mit dem anderen zu tun.

Zeitungen sind unabdingbar für alle Arten von Regierungen in der Neuzeit. Es sind zunächst Anweisungen der Obrigkeit an die Untertanen. Und Zeitungen wurden immer mehr auch zu Echokammern. Der Fürst erfährt hier, was das Volk denkt (jedenfalls solange er die Zeitung nicht verbieten lässt), und das Volk erfährt hier, was der Fürst denkt (oder jedenfalls, was es von den Gedanken des Fürsten halten soll). Zeitungen wurden zum Instrument der Unterdrückung und zum Instrument des Widerstandes. Und nicht zuletzt wurden Zeitungen zu semiotischen Maschinen. Sie berichten und kommentieren nicht nur, sie erschaffen auch die dafür notwendige Sprache. Wir verlangen nach Zeitungen, die sprechen wie wir, und wir sprechen wie unsere Zeitungen.



© TAZ, Kolumne, 9.10.2024

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