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Hörspiel: „Der korallene Wald“ Von Ruth Johanna Benrath

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) versuchte im Schreiben ihrem unbändigen Freiheitsdrang Ausdruck zu verleihen, da ihr im Leben als unverheiratete Adelige strenge Grenzen auferlegt waren. Kühne Metaphern, drastische Naturbeschreibungen, Antithetik und Ambivalenz, Mehrdeutigkeit und Offenheit sind die Spezifika ihres Schreibens, die ihre Texte ausgesprochen modern wirken lassen.

Ausgangspunkt ist die Genese des literarischen Textes: Um die für Annette von Droste-Hülshoff typische Arbeitsweise der oft unter Mühen hervorgebrachten Textstufen nachzubilden, werden die einzelnen Formulierungsvarianten in einer Art Collage nebeneinander und übereinander gelegt. Das Tasten nach einer Formulierung, das Abwägen, die Selbstkorrektur und oftmals auch die Rückverbesserung, also die Wiederaufnahme einer schon verworfenen Zeile kann als Gespräch der Autorin mit sich selbst gedacht werden.

Hörbar gemacht wird der Moment des Sich-Veräußerns beim Dichten, ein sehr intimer und fragiler Moment. Die Autorenstimme der Annette von Droste-Hülshoff mischt sich ein, die der Autorin Ruth Johanna Benrath tritt hinzu, ein Stimmen-Gewebe entsteht, das ein Gedankenfeld im akustischen Raum abbildet.

Der korallene Wald
Von Ruth Johanna Benrath
Mit Ilse Ritter, Birte Schnöink, Paula Dombrowski, Hedi Kriegeskotte und anderen
Komposition: Andreas Pichler
Regie: Christine Nagel
WDR 2017

Ruth Johanna Benrath, geb. 1966 in Heidelberg. Prosa-, Lyrik-, Theater- und Hörspielautorin. Weiteres Hörspiel: „Mich mir merken“ (SWR 2016).

© Bayern 2, Hörspiel, 11.6.2018

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