Internationales Jazzfestival Saalfelden 2017 // Michael Riessler „Kryptografie // Steve Lehman & Sélébéyone // Mats Gustafsson’s NU ensemble „Hidros 8 Heal“ // Brian Marsella Trio // Aktualisiert
Aus der letzten Ö1 / WDR 3 Jazznacht habe ich hier einige Konzerte und Ausschnitte herausgesucht. Leider wurden nur 3 Konzerte komplett gesendet. Michael Riessler mit „Kryptographie“ nach einen Text von Harry Lachner. Mats Gustafsson mit seinen Nu Ensemble und das Brian Marsella Trio. Steve Lehman nur in einen Ausschnitt.
Michael Riessler „Kryptografie.
Notizen eines alten Mannes, der zufällig Charles Mingus heißt.“
Hartmut Stanke Sprecher
Michael Riessler – Bass Clarinete
Enrico Melozzi – Cello
Lucas Vezirian – E-Bass
Lorenzo Riessler – Midi Drums
Harry Lachner – Text
Michael Riessler im Interview über die Enstehung von Kryptogrphie:
Es gibt, zugegeben, Parallelen. Und doch ist die Figur dieses Mannes, der zufällig Charles Mingus heißt, eine fiktive. Eingekapselt in einen bewegungslosen Körper hören wir die fragmentarischen Gedankennotizen eines alten Mannes. Michael Riessler komponierte für „Kryptografie“ eine Musik, die jener zerfallenden Identität dieses Mannes eine kraftvolle Vitalität entgegensetzt. Getragen vom Gefühl einer hoffnungsvollen Aussichtslosigkeit rebelliert dieses so gespaltene Ich – gesprochen vom Schauspieler Hartmut Stanke – gegen Gott, die Welt und die eigene Empfindsamkeit. Michael Riessler greift in seiner Komposition nicht auf Motive des historischen Mingus zurück – was so irreführend wie banal wäre, sondern transformiert dessen energetische Impulse in eine zeitgemäße Form, die Jazz, Funk, Blues und Avantgarde gleichermaßen zueinander in Beziehung setzt.
Brian Marsella Trio „Buer: The Book of Angels Vol. 31“
Brian Marsella – Piano
Trevor Dunn – Bass
Kenny Wollesen – Drums
Der Philadelphia-stämmige Pianist Brian Marsella kann, obwohl noch jung, bereits auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Hunderte Konzerte hat er in den letzten Jahren quer über den Globus gegeben. Jazz, Funk, R&B und auch Klassik streiften dabei seinen Weg. Sein aktuelles Trio zeigt sich mit dem Album „Buer“, einer Vertonung von John Zorns zweitem „Book of Angels“, erschienen auf Zorns eigenem Label Tzadik, dazu in Top-Form. Jazz im besten Sinne des Wortes ist das: offen, improvisatorisch und höchst spannungsgeladen, mit kleinen, stellenweise auch etwas größeren Dosen nahöstlicher Harmonik, wie wir das von Zorn kennen und lieben. Oftmals sind es kleine Melodien, die irgendwann kippen und improvisatorisch an die großen Legenden Bill Evans oder Mc Coy Tyners andocken, die schon Zorn in seinen Kompositionen elegant referenzierte.
Mats Gustafsson’s NU ensemble „Hidros 8 Heal“
Mats Gustafsson – Saxophones, Dirigent
Anna Högberg – Altosax
Susanna Santos Silva – Trumpet
Per Åke Holmlander – Tuba
Dieb13 – Plattenspieler
Christof Kurzmann – Lloopp, Gesang
Martin Siewert – Guitar
Massimo Pupillo – Bassguitar
Gert Jan Prins + Ivar Loe Bjørnstad – Drums
Vor 20 Jahren erschien die erste Ausgabe von Mats Gustafssons HidrosProjekt, das nachdrücklich darauf verwies, welche herausragende Stellung der Saxophonist auf der europäischen Improvisationsszene innehat. Mit der Tentett-Version von Hidros balanciert Gustafsson die Fluchtpunkte einer eindrücklichen Klangintensität gegen zurückhaltend aufgerauhten, ruhige Passagen aus, wobei die Grenze zur Rockmusik immer wieder überschritten wird. Wenn sich in der Musik von Hidros 8 die streng vertrackten Kompositionen des Prog-Rock à la King Crimson und zugleich der kollektive Freiheitswille eines Liberation Music Orchestras spiegeln, realisieren sich zwei referentielle Eckpunkte, zwischen denen Gustafsson und sein exzellent besetztes Ensemble ganz unerwartete Verbindungslinien ziehen.
Steve Lehman & Sélébéyone
HPrizm – Spoken word (english)
Gaston Bandimic – Spoken word (wolof)
Steve Lehman – Alto sax
Maciek Lasserre – Alto sax
Carlos Homs – Keyboard
Matt Brewer – Electric bass
Damion Reid – Drums
Der US-amerikanische Jazz-Saxophonist Steve Lehman hat mit dem
Projekt Sélébéyone eine der meist-bejubelten Genreverschränkung des
vergangenen Jahres abgeliefert. Lehman ist dabei ins weite Feld des
Hip-Hop vorgedrungen, und hat sich mit HPrizm (Antipop Consortium)
und Gaston Bandimic zwei Rapper ins Boot geholt, die Lehmans eindringlichem
Saxophonspiel eine vokale Entsprechung bieten. Sie alle
entwickeln eine sehr ähnliche Energie, was in einem Sound resultiert,
der abstrakt und bedrohlich klingt, und der das live noch direkter zu
vermitteln weiß. Improvisationseinlagen und Elektronik komplettieren
diesen kraftstrotzenden Hybrid aus Jazz und Hip-Hop, der in Saalfelden
mit allen Protagonisten des gefeierten Albums zu hören sein wird.