„Jacobs Zimmer (1-4)“ Scarborough und Cambridge Von Virginia Woolf

Blicke, Gedanken- und Gesprächsfetzen: Die junge Witwe Betty Flanders verbringt mit ihren Söhnen Archer, John und Jacob einen Tag am Meer. Der kleine Jacob entdeckt am Strand ein Liebespaar und nimmt den blanken Unterkiefer eines Schafsschädels als Andenken mit nach Hause. 

Es ist, als blättere man mit angehaltenem Atem durch das Fotoalbum eines Fremden. So stehen wir heutzutage im Leben, so erfahren wir die Welt, meinte Virginia Woolf. Ihr Roman Jacobs Zimmer erschien 1922 und ist wenig bekanntes Meisterwerk der Moderne.

Aus der inneren Logik des Romans entsteht eine faszinierende literarische Erfahrung, eine multisensorische Folge von atmosphärischen Ausschnitten, kurzen Einblicken, vielstimmigen Einschätzungen, die lose chronologisch aneinandergereiht sind. Virginia Woolf arbeitet erstmals mit einer Art fotografischer Schnitttechnik und zeigt, dass Jacob durchaus da ist: heraufbeschworen, nicht aus der Aufzählung von charakterbestimmenden Fakten und gedrechselten Sätzen eines allwissenden Erzählers, sondern auf geisterhafte Weise in Facetten gespiegelt. Wir gleiten durch eine Abfolge von symbolischen Räumen, durch sprechende Atmosphären und angerissene Szenen. Wenn wir sie lesen lernen, verstehen wir vielleicht ein bisschen besser, wer wir sind.


Teil 1:
Teil 2:
Teil 3:
Teil 4:

„Jacobs Zimmer “ Scarborough und Cambridge
Von Virginia Woolf
Aus dem Englischen von Gaby Hartel
Mit Friedhelm Ptok, Britta Hammelstein, Wiebke Puls, Sylvana Krappatsch, Annette Paulmann, Johannes Zirner, Andrea Wenzl, Caroline Ebner, Oliver Losehand, Stefan Merki, Hans Kremer, Georgia Stahl
Komposition: Jakob Diehl
Bearbeitung: Gaby Hartel
Regie: Katja Langenbach
BR 2012

© Bayern2, Hörspiel, Januar 2022

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