James Leyland Kirby Alias „The Caretaker“ Hausmeister des Hirns Von Jürgen Ziemers
Alte Jazzaufnahmen aus den Dreißigern und Vierzigern bilden den klanglichen Fundus, aus dem James Leyland Kirby unter dem Alias The Caretaker für seine Ambient- und Drone-Epen schöpft. Sein im Laufe der letzten drei Jahre kontinuierlich erweiterter und nach sechs Phasen nunmehr abgeschlossener Alben-Zyklus „Everywhere at the End of Time“ zeichnet den Verlauf einer Alzheimer– und Demenz–Erkrankung nach …
Von Jürgen Ziemers
Kaum ist man wieder ein paar Jahre älter, hat man das Gefühl, alles um einen herum löst sich auf. Musik wird zum Stream, Daten landen in der Cloud und wer in einer Großstadt von A nach B möchte setzt heute auf Carsharing und nicht mehr auf den eigenen Pkw. Was bleibt, sind Erinnerungen. Die Lufthansa bewirbt in ihrer aktuellen Kampagne weniger die bekannten Traumziele als vielmehr die Erinnerung, dass man einmal dort war: „Nobody regrets making memorys.“ Erinnerungen sind der Kern unseres Seins. Alles spezifisch Menschliche ist darin involviert und aneinandergekoppelt: Bewusstsein, Geist, Emotion, Verstand und Poesie. Erinnerung ist mehr als nur Gedächtnis – sie ist identitätsstiftend. Selbst in der Popkultur, wo noch vor 20 Jahren die Parole galt: „Forward ever, backward never“.
© der freitag, Kultur, Musik, 16/2019