Jeff Tweedys Album „Twilight Override“: Lou Reed als Babysitter
Ein Musiktipp von Karl Fluch (Standard). Der US-Musiker (Wilco) veröffentlichte ein Dreifachalbum, das nicht nur deshalb ein Opus magnum geworden ist. Dreht die Handys ab und lehnt euch zurück.
Zauselhaare, unrasiert, Brille. Jeffy Tweedy ist 58 Jahre alt, und so sieht er aus. Das ist in seinem Fall ein Kompliment. Denn viele Jahre seines Lebens hat er mit Depressionen, Migräne und Substanzen gekämpft, die auf ein Wesen einwirkten, das mit verschiedenen Formen von Untergangsstimmungen kämpfte. „Sunny side up“ sind bei ihm nur die Spiegeleier.
Doch Tweedy hat sich nie unterkriegen lassen. Seine Strategie war und ist seine Kreativität, die er als Chef von Bands wie Uncle Tupelo und Wilco sowie als Solokünstler einsetzte, um den Kopf über Wasser zu halten. Und dann und wann zu lächeln. Je älter er wurde, desto mehr kam er mit sich ins Reine. Dass er mit Wilco eine seit über 30 Jahren erfolgreiche und von den Fans treu geliebte Band betreibt, hilft natürlich. Ausgelastet ist er deshalb nicht. Eben hat er sein fünftes Soloalbum veröffentlicht, und es ist ein Dreifachalbum geworden. Dauer: fast zwei Stunden, verteilt auf 30 Songs. Die Genese des Albums begann mit einer Autofahrt.
© Der Standard, Kultur, Musik, 30.9.2025