„Kosmischer Kenner“ Nachruf auf Christian Broecking von Andrian Kreye und ein Nachruf von Kai Müller
Der Enzyklopädist Christian Broecking nahm die Jazzer so ernst wie sie ihn. Jetzt ist dieser grandiose Kritiker, Forscher, Soziologe und Radiomann mit 63 Jahren gestorben.
Christian Broecking ist gestorben, der den Jazz erforscht hat und für den die traditionellen Berufsbezeichnungen (Kritiker, Musikwissenschaftler, Soziologe, Buchautor, Radiomacher) nicht so recht greifen. Das passt zu der Welt, die er so gut verstand. Modern Jazz. Das originale Hip. Der Kosmos der Codes und Chiffren, in dem die Kriterien der bürgerlichen Welt an ihre Grenzen kommen. Broecking verstand seine Rolle als Mittler. Er konnte die Geschichte dieser so komplexen Musik genauso gut bei einer Vorlesung an der New Yorker Columbia University erzählen wie in einer Radiosendung oder einem Festivalbericht…
© SZ, Kultur, 8.2.2021
Zum Tod des Jazzkritikers Christian Broecking „Eine Frage des Respekts“. Von Kai Müller
Seine Leidenschaft gehörte dem radikalen Jazz. Denn er wollte wissen, was die Welt besser machen könnte. Es gibt Lebenslinien und Notenlinien, und beide haben oft erstaunlich viel miteinander zu tun. Christian Broecking, Jazzkritiker, Kulturforscher und Kolumnist auch des Tagesspiegels über viele Jahre, wusste um diese Verbindungen. Er spürte sie auf, suchte nach den Erfahrungen, die sich in Musik niederschlugen, fasziniert von dem Ausdruckswillen jener Musiker, die sich allerdings nicht um Noten scherten, sondern Töne spielten, nie gehörte, freie Töne, von denen eine Linie zurück in die Vergangenheit reicht und eine in die Zukunft.
© Der Tagesspiegel, Kultur, 6.2.2021