Late Night Jazz: Kathrin Lemke ist tot

Heute Abend 23.03 Uhr RBB kulturradio

Kathrin Lemke ist tot

Anlässlich ihres Todes haben wir unser Programm geändert. Mit einem Heliocentric Counterblast-Mitschnitt von den Jazz Units am 30. November 2011 erinnern wir an die Saxofonistin und Komponistin.

Die Saxofonistin und Komponistin Kathrin Lemke ist tot. Sie starb in der Nacht vom 22. zum 23. Januar. Diese Nachricht erreichte mich erst am vergangenen Mittwoch und sie schockiert mich noch immer. Kathrin Lemke wurde nur 44 Jahre alt. Das letzte Mal sahen wir uns im Oktober letzten Jahres beim Jazz Treff Berlin, wo wir gemeinsam in der Beratergruppe arbeiteten.

Kathrin Lemke hatte Krebs, die Nebenwirkungen der Behandlungen waren nicht zu übersehen, aber sie wirkte stabil, sprach von ihrer neuen Band „My Personal Heimat“, deren erste CD gerade abgemischt wurde. Mit diesem Quartett gab Kathrin Lemke dann noch im Oktober 2015 ein Konzert in Darmstadt. Es sollte ihr letztes sein.

Irgendwie schien es so, als hätte nicht sie sich den Jazz, sondern der Jazz sich sie, Kathrin Lemke, ausgewählt. Am 27. September 1971 wurde sie in Heidelberg geboren. Ihre ersten musikalischen Einflüsse kamen von den Sinti und Roma, von Liedern des spanischen Bürgerkrieges, den Schlümpfen und von ABBA. Später hießen die Helden Nena, Ramones oder Dead Kennendys.

 
 

Dem Klavierunterricht folgte der auf dem Saxofon. Dann ab 1990 Germanistik-, Politik- und Musikwissenschaftsstudium, ab 1993 studierte Kathrin Lemke schließlich Musik und gründete 1998 in Berlin die Band JazzXclamation, mit der sie vier Alben aufnahm. Mit absoluter Hingabe und unter den Bedingungen ökonomischer Selbstausbeutung widmete sich Kathrin Lemke der Musik von Sun Ra, der sie mit ihrer Band Heliocentric Counterblast neues Leben gab. Das hatte ebenso viel mit Respekt wie mit Humor und Leidenschaft zu tun. Sun Ra, bürgerlich Herman Blount, wurde nach eigener Aussage auf dem Saturn geboren und kam 1914 auf die Erde, um 79 Jahre auf ihr zu bleiben.

Kathrin Lemke war ein warmherziger Mensch, eine wunderbare Musikerin. Richard Williams, der künstlerische Leiter des Jazzfest Berlin, erwog, sie zum diesjährigen Festival zu engagieren. Nun ist sie mit ihren Saxofonen unterwegs auf dem Spaceway. Rest in peace.

 

Ulf Drechsel

© RBB kulturradio, Late Night Jazz, 30.1.2016

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