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„Literatur“ Hörspiel von Arthur Schnitzler

Zwei Tage vor der Hochzeit erzählt Margarethe ihrem Verlobten Baron Clemens, dass sie vor kurzem einen Roman über ihr Leben vollendet hat. Clemens will aus persönlichen und gesellschaftlichen Gründen die Publikation verhindern und verlangt von Margarethe, dass sie den Roman zum Beweis ihrer Liebe ins Feuer wirft. Aber der Roman ist bereits gedruckt, und so verlässt er Margarethe.

Diese angespannte Situation wird noch komplizierter durch das Auftauchen eines früheren Poetenfreundes von Margarethe, der seinerseits einen Lebensroman verfasst hat. Literatur und Wirklichkeit geraten nun völlig durcheinander.

Weder was den Esprit der Dialoge noch was den Witz der Handlung angeht, braucht Arthur Schnitzlers Lustspiel den Vergleich mit Oscar Wilde oder Bernard Shaw nicht zu scheuen. Schnitzlers Humor ist nicht britisch trocken; die Gesellschaftskritik wird stattdessen durch einen wienerischen »Schmollton« zur Geltung gebracht, der dem Hörspiel eine ungemein vergnügliche Note verleiht.

Literatur handelt von Menschen, die ihr Leben nicht mehr unmittelbar zu leben verstehen, sondern es sogleich in Gedichte oder Romane umsetzen müssen, die dann von anderen für bare Münze genommen werden.

So grotesk, so sketchhaft dieser fast unbekannte Schnitzlersche Einakter angelegt sein mag, der kritische Hintergrund ist offenkundig. Hier wird allerdings nicht die Literatur selbst angeklagt, sondern die Menschen, die ihr einen falschen Platz im Leben einräumen.



„Literatur“ Hörspiel von Arthur Schnitzler

Regie: Theodor Steiner
hr 1958

© HR 2, Hörspiel, 17.10.2021

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