„Loslassen lernen“ Album aus dem Nachlass von David Bowie „Toy“ erscheint

Zu David Bowies 75. Geburtstag erscheint sein Album „Toy“. Es entstand schon 2001 – dann überwarf der Sänger sich mit der Plattenfirma. Von Christian Schröder.

Nichts vergeht, alles kehrt zurück. Manchmal gilt das buddhistische Prinzip des ewigen Kreislaufs auch für Dinge. Songs können reinkarnieren. „Toy“ heißt das Album von David Bowie, das sechs Jahre nach dem Tod des Sängers herauskommt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag am 8. Januar. Es enthält zwölf Stücke, die im Jahr 2000 aufgenommen wurden. Genauer gesagt handelt es sich um „re-recordings“, denn Bowie hatte alle Songs am Anfang seiner Laufbahn schon einmal veröffentlicht. Damals ohne Erfolg. Nur „Toy“, das Titelstück, war zur Jahrtausendwende noch neu.

Der Weg zur Erleuchtung ist weit, David Bowie war lange Zeit ein Suchender. Er suchte nach der Eingangstür zu Ruhm und Bedeutung, offenbar suchte er auch nach spirituellem Halt. 1967 lebte er für kurze Zeit in einem gerade gegründeten buddhistischen Kloster im schottischen Örtchen Eskdalemuir. Er war Schüler eines Gurus und stand kurz davor, wie er später erzählte, sich den Kopf rasieren zu lassen, ein Gelübde abzulegen und Mönch zu werden. „Slow down, slow down“, lautet der mahnende Refrain von „Karma Man“, das mit seinem euphorischen Bläsern und Chören zu den besseren Stücken des Albums gehört.

Sonderling im Schneidersitz

Anfangs singt Bowie mit seltsam gehetzter, nagetierartig klingender Stimme von „Kokosnussfellen“, die sich hinter „farbigen Schatten“ verstecken. Der „Karma Man“ sitzt im Schneidersitz auf dem Boden, ein Freak, der auf seinem Arm eine Tätowierung des buddhistischen „Rads des Lebens“ trägt. Alles, was er besitzt, sind ein „Safran-Gewand“ und ein paar Perlen. Ein Spottlied mit Spinett, das aus dem Original übernommen wurde. Allerdings klingt der Slogan „Slow down“ merkwürdig für einen Musiker, der gerade versucht, seine Karriere ins Laufen zu bringen.



© Der Tagesspiegel, Kultur, 7.1.2021


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