LUFT. Ein Welterschöpfungsrequiem – Anti-Kapitalismus-Oratorium
Multiple globale Krisen erzeugen Trauer, Wut und Erschöpfung. Ein Feature-Oratorium greift diese Affekte auf. Theorietexte, Aktivismustexte, Twittertexte verdichten sich zum Requiem. Am Ende steht die Suche nach neuen Utopien. Von Barbara Eisenmann.
Klimakrise, Gesundheitskrise, Hungerkrise, Migrationskrise, Rohstoffkrise, Schuldenkrise, Demokratiekrise, Wohnungskrise, Wirtschaftskrise, Sauerstoffkrise … Überall multiplizieren sich die Krisen – und Erschöpfung macht sich breit. Die Form des Requiems eignet sich zur Bearbeitung von Krisenerfahrungen: Trauermusik als gemeinsame Besinnung auf Verlorengegangenes, Verarbeitung von Wut auf zerstörerische Lebensverhältnisse und die Bekräftigung eines zukünftigen Lebens. Ein polyphones Subjekt aus sprechenden und singenden Stimmen blendet Vergangenheit und Gegenwart des Kapitalismus und seiner Krisen ineinander und benutzt dafür Textmaterial wie zeitgenössische politische Theorie und Slogans, Hashtags, Lyrics politischer Bewegungen. Der erste Teil (Requiem aeternam) handelt vom Schmerz über die Verluste, der zweite (Dies irae) von der Wut auf die Zerstörungen und der dritte (Lux aeterna) von der Sehnsucht nach einer anderen Welt. Das Requiem wird hier im Sinne einer Versuchsanordnung begriffen: Kann die kollektive Trauer das Gefühl einer gemeinsamen Utopie erzeugen?
LUFT. Ein Welterschöpfungsrequiem
Von Barbara Eisenmann
Regie: die Autorin und Frieder Butzmann
Mit: Almut Zilcher, Torsten Föste, Astrid Meyerfeldt, Bernd Moss, Hannah Müller, Sebastian Urzendowsky, Britta-Ann Flechsenhar, Felix Hermann, Daniel Mattar, Jacobien Vlasman
Komposition: Frieder Butzmann
Ton: Frieder Butzmann
Produktion: SWR/Deutschlandfunk Kultur 2021
© Deutschlandfunk Kultur, Feature, 15.1.2022