„Mini-Mut“ Warum das neue WDR-Neue-Musik-Projekt „Miniaturen der Zeit“ nicht viel mehr als ein Feigenblatt ist.
»WDR-Großauftrag für kleine Kompositionen«, übertitelte der WDR am 22. April 2021 die Einladung zu einem Pressegespräch zum neuen Auftragswerk-Zyklus Miniaturen der Zeit. Von Hartmut Welscher
Großauftrag – das klingt nach unternehmerischem Risiko, nach strategischer Weichenstellung, nach Elektrobussen aus China oder Windturbinen für Spanien. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich mit einem Vokabular des privatwirtschaftlichen Wettbewerbs rühmt, ist kein Zufall. Der Subtext lautet: Wir sind mutig, wir gehen ins Risiko, wir positionieren uns neu, and it’s big!
Nur dass nicht Bank sondern Beitrag diesen Großauftrag finanziert, und der Rundfunkbeitrag auch damit legitimiert wird, dass die Öffentlich-Rechtlichen ein von den Marktmechanismen unabhängiges und vielfältiges Kulturangebot bereitstellen. Es ist gut, dass ein Rundfunkorchester neue Musik spielt und Komponist:innen in der Corona-bedingten Ebbe (hoffentlich gut bezahlte) Aufträge erhalten. Aber letztlich gibt der WDR damit nur den Auftrag weiter, der ihm vonseiten der Gesellschaft gegeben wurde.
© Van Magazin, 9.6.2021