„Motown meets Westafrika“ Die Eboni Band ist Ihrer Zeit weit voraus

1980 kamen westafrikanische Musiker nach L.A.. Mit Motown-Künstlern spielten sie „Eboni Band“ ein: Fantastische Musik, nun wiederveröffentlicht. Von Julian Weber

Der nervöse Puls exakt getrommelter Bongos, ein sturer 4-to-the-floor-Drumbeat zieht seine Bahn, flankiert von messerscharfen Gitarren und einem Bass, der alle Melodien polstert und zugleich schmatzend untergräbt. Dazu schmettern Bläser, und ein spaciger Synthesizer wabert. Das Arrangement ist fett, jeder Ton richtig gesetzt. Ein Sound, der knietief im spätrömischen Disco-Idiom seines Entstehungsjahrs 1980 fußt.

Hier ist die Crème de la Crème der Motown-Musiker der späten 1970er am Start. Nur, die Musik ist einen Tick psychedelischer als Mainstream-Disco. Wenn man genau hinhört, variieren die Bläser Techniken des Afrobeat. Auch der Beat ist mehr uptempo geraten, als die 118 bpm Richtgeschwindigkeit von der Tanzfläche suggeriert.

Die Musik der Eboni Band ist ein anderes Kaliber als der slicke Good-Time-Sound des ausgehenden Disco-Zeitalters, ihre Einbeziehung von Afrika mag unter chaotischen Umständen zustande gekommen sein, und dennoch, diese Songs klingen nach Herzblut und transportieren entwaffnende Power. „Heute gibt es professionelle Plattenfirmen in vielen afrikanischen Ländern, und der Konzertveranstalter Live Nation operiert nun auch von Südafrika aus. Digitale Produktion ermöglicht größere Reichweiten, dennoch gibt es kein Majorlabel, das in allen 54 afrikanischen Ländern gleichzeitig ein Album veröffentlichen kann. Ich hoffe, das ändert sich bald“, sagt Abdoulhaye Soumare und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

© TAZ, Kultur, Musik, 13.6.2021

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