MUSIK DER ZEIT [1]: SOUND & FURY / NOW !!!
Das unmittelbarste Medium des Erzählens ist die Sprache. Worte können beschreiben, doch sind sie nie neutral. Noch weniger neutral sind in Musik gesetzte Worte. Das WDR Sinfonieorchester Köln stellt vier Werke vor, die auf literarische Gedankenwelten zurückgehen.
Über 100 Jahre (Musik-)Geschichte liegen zwischen den Werken dieses Programms. Ihnen gemeinsam ist, dass ihre Schöpfer sich von Worten, von Prosa, von Literatur inspirieren ließen. Der Roman „Sound and Fury“ von William Falkner diente als Vorlage für Philippe Manourys gleichnamiges Orchesterstück, das erstmals in einer Neufassung präsentiert wird. Der Komponist orientiert sich hier weniger am konkreten Textinhalt, sondern an der komplexen Erzählstruktur. Sinnliche, filigrane Klänge treffen auf eine schonungslose, fast brutale Expressivität.
Ausdrucksstark sind auch die „fünf Orchesterlieder“, in denen Alban Berg 1912 die pointierten Postkartentexte von Peter Altenberg vertont hat. In Luciano Berios Saxophonkonzert „Récit“ („Geschichte“) ist es der Verlauf der Musik selbst, dem ein erkennbar narratives Moment innewohnt.
Luciano Berio
„Récit (Chemins VII)“ (1996/2000) für Altsaxophon und Orchester
Alban Berg
„Fünf Lieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg op. 4“ (1912) für Sopran und Orchester
Enno Poppe
Torf (2016) für Orchester
Kompositionsauftrag des WDR und Philharmonie Essen Uraufführung (nur in Essen)
Philippe Manoury
Sound and Fury (1999/2016) für Orchester
Kompositionsauftrag des WDR Uraufführung
Laura Aikin – Sopran
Lutz Koppetsch – Altsaxophon
WDR Sinfonieorchester Köln
Leitung: Brad Lubman
Aufnahme vom 28. Oktober 2016 in der Kölner Philharmonie und vom 30. Oktober 2016 in der Philharmonie Essen