Neues aus dem Neofelis Verlag 03/2025 – Neuerscheinungen + Veranstaltungen
Vor ziemlich genau fünf Jahren, im März 2020, erlebten wir den ersten Lockdown, heute stecken wir in der gesellschaftlichen und politischen Aufarbeitung der Corona-Pandemie, die zuletzt durch das Bekanntwerden der jahrelang geheimgehaltenen Theorie des Bundesnachrichtendienstes zur mutmaßlichen Herkunft des Virus aus einem chinesischen Labor befeuert wurde.
In Poetik des Verschwindens, einer von zwei Neofelis-Neuerscheinungen im März, führt die Autorin Evelyn Echle diese Diskussion nicht; sie interessiert sich hingegen für die Ästhetik verfallener und verlassener Orte im Allgemeinen und für die Veränderung des öffentlichen Raums im Besonderen, der während der harten Lockdown-Phasen plötzlich zum Lost Place zu werden schien. Auf einmal strahlten die verlassenen öffentlichen Orte einen eigentümlichen Reiz aus, dem Echles Essay anhand filmischer und fotografischer Arbeiten sowie medientheoretischer Positionen von der Universalgeschichte der Ruine bis zur Urban-Exploration-Szene nachspürt.
Unsere zweite Neuerscheinung im März wäre ohne ein unsigniertes und undatiertes Blumenstillleben vermutlich nie zustande gekommen: 1934 legte das unbekannte Gemälde die weite Reise von einer Berliner Villa nach Palästina zurück, Jahrzehnte später kam es zurück nach Deutschland zu Robert Jütte und seiner Ehefrau. Nachforschungen zur Autorschaft des Bildes führten zu Olga Meerson-Pringsheim (1882–1930), die neben Gabriele Münter zu den weiblichen Mitgliedern der Malakademie gehörte, die Wassily Kandinsky Anfang des 20. Jahrhunderts in München gründete. In den folgenden Jahren war sie mehrmals mit ihren Werken im berühmten Pariser Salon d’Automne vertreten. In Paris besuchte sie auch die Académie von Henri Matisse, mit dem sie ein enges Verhältnis verband. Heute ist die russisch-jüdische Malerin, die zeit ihres Lebens für ihre vom Fauvismus beeinflussten Porträts bekannt war, zu Unrecht beinahe vergessen: Nun legt Robert Jütte die Biografie dieser einzigartigen Künstlerin vor, wobei ihm die genaue Rekonstruktion wichtiger Lebensphasen und der künstlerischen Entwicklung Meerson-Pringsheims gelingt. Zeitgleich mit Erscheinen der Biografie widmet das Schlossmuseum Murnau der vergessenen Malerin vom 11. April bis 9. November 2025 erstmals eine Sonderausstellung: Die Malerin Olga Meerson: Schülerin von Kandinsky – Muse von Matisse. Am Donnerstag, 3. April, um 19.30 Uhr stellt Jütte die Biografie im Gespräch mit Irmela von der Lühe im Literaturhaus Stuttgart vor; herzliche Einladung!
Auch die Leipziger Buchmesse (27. bis 30. März) steht kurz bevor: Dazu laden wir Sie ein, unseren Gemeinschaftsstand mit edition assemblage, Edition AV, Gans Verlag und Verlag immergrün in Halle 5, Stand H223 zu besuchen und zu verschiedenen Veranstaltungen zu kommen: Am Donnerstag, 27. März, um 16 Uhr stellt Lydia Nagel die Anthologie ukrainischer Theatertexte Zeitreisen durch die Gegenwart vor (Ukrainian Book Institute, Halle 4, Stand D309); ebenfalls am Donnerstag um 19.30 Uhr findet im Conne Island eine Buchvorstellung und Diskussion zu Judenhass im Kunstbetrieb mit dem Herausgeber Matthias Naumann und den Autoren Jakob Baier und Jonathan Guggenberger statt; und am Samstag, 29. März, um 17.30 Uhr stellt Uwe Vormbusch das Glossar der Unsicherheit vor (Forum Die Unabhängigen der Kurt Wolff Stiftung, Halle 5, Stand H313, alternativ im YouTube-Stream).
Eine weitere Veranstaltung zu Judenhass im Kunstbetrieb können Sie am Dienstag, 1. April, um 19.30 Uhr im zeitraumexit in Mannheim erleben – wichtige Details zu den Veranstaltungen, aber auch zu den Neuerscheinungen und aktuellen Pressestimmen finden Sie wie immer im Anschluss an diesen Text. Dort können Sie auch den aktuellen Call for Papers der Zeitschrift Tierstudien zum Thema „(De-)Koloniale Tiere und Tierstudien“ einsehen sowie Infos zu den Neuauflagen von Judenhass im Kunstbetrieb und Männlichkeit verraten! finden. Vormerken können Sie sich auch bereits die Ausstellung Fixing Futures. Planetare Zukünfte zwischen Spekulation und Kontrolle, die am 5. April im Frankfurter Museum Giersch der Goethe-Universität eröffnet wird – weitere Infos dazu und zum Ausstellungskatalog, der bei uns erscheint, folgen demnächst!
Veranstaltungen
Judenhass im Kunstbetrieb
Seit dem Massaker der Hamas ist der Antisemitismus weltweit enorm angestiegen, so auch in Deutschland. Antisemitisches Sprechen, Denken und Handeln äußern sich dabei lautstark ausgerechnet in sich als progressiv, links und weltoffen verstehenden Milieus des Kunst- und Kulturbetriebs. Die Reaktionen reichten von Schweigen bis zur Verkennung oder Verherrlichung der terroristischen Gewalt; sie sind insgesamt bis heute verstörend.
In dem Essay-Band Judenhass im Kunstbetrieb. Reaktionen nach dem 7. Oktober 2023, hrsg. von Matthias Naumann, untersuchen Jakob Baier, Ole Frahm, Jonathan Guggenberger, Stella Leder, Matthias Naumann, Benno Plassmann, Alexander H. Schwan, Esther Slevogt, Dana von Suffrin und Lea Wohl von Haselberg die Geschehnisse nach dem 7. Oktober und ihre Folgen in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Theater, Tanz, Film, Comic sowie in der Kulturpolitik. Die Ursachen und Äußerungsformen dieses Antisemitismus werden analysiert, Gegenpositionen beleuchtet und mögliche Konsequenzen diskutiert.
/ Do, 27.03.2025, 19.30 Uhr (Buchmesse Leipzig): Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
/ Di, 01.04.2025, 19.30 Uhr: zeitraumexit, T6, 18, 68161 Mannheim
Moderation: Norman Böttcher, veranstaltet vom Arbeitskreis gegen Antisemitismus in Kooperation mit zeitraumexit
Buchmesse Leipzig
Auch 2025 sind wir wieder mit einem Gemeinschaftsstand auf der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. März vertreten: Gemeinsam mit den Kolleg*innen von edition assemblage, Edition AV, Gans Verlag und Verlag immergrün sind wir in Halle 5, Stand H223 zu finden!
/ Do, 27.03.2025, 16 Uhr – 16.50 Uhr: Buchvorstellung Zeitreisen durch die Gegenwart. Theatertexte aus der Ukraine mit Lydia Nagel
Ukrainian Book Institute, Halle 4, Stand D309
/ Do, 27.03.2025, 19.30 Uhr: Buchvorstellung Judenhass im Kunstbetrieb. Reaktionen nach dem 7. Oktober 2023 mit Matthias Naumann, Jakob Baier und Jonathan Guggenberger
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
/ Sa, 29.03.2025, 17.30 Uhr: Buchvorstellung Glossar der Unsicherheit mit Uwe Vormbusch
Forum Die Unabhängigen der Kurt Wolff Stiftung, Halle 5, Stand H313, alternativ im YouTube-Stream
Olga Meerson-Pringsheim
Die Malerin Olga Meerson-Pringsheim (1882–1930), die neben Gabriele Münter zu den weiblichen Mitgliedern der Malakademie Wassily Kandinskys gehörte und Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren Werken mehrmals im berühmten Pariser Salon d’Automne vertreten war, ist heute so gut wie vergessen. Meerson-Pringsheim war zu ihren Lebzeiten besonderes für ihre Porträtmaleri bekannt, die es heute wiederzuentdecken gilt, auch wenn zahlreiche ihrer Werke als verschollen gelten müssen. In der Biografie der russisch-jüdischen Malerin rekonstruiert Robert Jütte erstmals ihr Leben und Werk.
Buchvorstellung und Lesung mit Robert Jütte, Moderation: Irmela von der Lühe
In Zusammenarbeit mit dem Forum jüdischer Bildung und Kultur e.V.
/ Do, 03.04.2025, 19.30 Uhr: Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart
© Neofelis Verlag, 03/2025