Open Sounds: Stromlinie Reloaded [1] Werner Dafeldecker /Marcus Schmickler/ Jim O’Rourke & David Grubbs
Werner Dafeldecker // Unter den vielen fehlgeschlagenen Versuchen, sich der Musik Werner Dafeldeckers sprachlich anzunähern, ist „Anonymität“ noch einer der griffigeren Kategorien.
Mit Björn Gottstein
Tatsächlich verlieren die Klänge bei Dafeldecker unter den rauschenden und knisternden Störgeräuschen einer weitläufigen Elektronik ihren Ursprung und ihre Identität. Die Ereignisse gleichen in ihrer Unvorhersehbarkeit statistisch errechneten Größen.
Die Musik des 1964 geborenen Kontrabassisten und Komponisten ist Abbild einer verstörten, orientierungslosen und kritiklosen Gegenwart. Der Wiener Musiker im Gespräch über Faktur und Hintergrund seiner Werke.
| Werner Dafeldecker | Ausschnitt wels (1998) |
John Butcher, Saxophon Dafel-decker, Kontrabass, Elektronik, Glass Kevin Drumm, E-Gitarre Christian Fennesz, Laptop Uli Fussenegger, Kontrabass Dieter Kovacic, Schallplattenspieler Christoph Kurzmann, Laptop Klarinette, Theremin Michael Moser, Violoncello Burkhard Stangl, E-Gitarre |
| Werner Dafeldecker | mokelé-mbembé (1999) | John Butcher, Saxophon Dafel-decker, Kontrabass, Elektronik, Glass Kevin Drumm, E-Gitarre Christian Fennesz, Laptop Uli Fussenegger, Kontrabass Dieter Kovacic, Schallplattenspieler Christoph Kurzmann, Laptop Klarinette, Theremin Michael Moser, Violoncello Burkhard Stangl, E-Gitarre |
| Werner Dafeldecker | Ausschnitt government (2001) |
John Butcher, Saxophon Dafel-decker, Kontrabass, Elektronik, Glass Kevin Drumm, E-Gitarre Christian Fennesz, Laptop Uli Fussenegger, Kontrabass Dieter Kovacic, Schallplattenspieler Christoph Kurzmann, Laptop Klarinette, Theremin Michael Moser, Violoncello Burkhard Stangl, E-Gitarre |
Marcus Schmickler // Glatt, poliert, fast ein wenig ästhetizistisch kommen die elektronischen Klanglandschaften von Marcus Schmickler daher. Noch in den frühen Neunzigerjahren hatte Schmickler seinen experimentierverbissenen Spieltrieb in einem Improvisationskollektiv mit selbst gebauten Instrumenten ausgelebt.
In jüngeren Werken des 1968 geborenen Komponisten erscheint dieser Hang zum Ausprobieren gezähmt. Schmickler verweist auf philosophische Praktiken des fernen Ostens und erschließt mit wabi sabi einen Zustand musikalisch ausgewogener Ruhe. Sator rotas hingegen erinnert an strenge, kon-struktivistische Kompositionsverfahren, denen schon Anton Webern erlag, und denen sich auch Schmickler mit seinem Fundus warmer, honig-schwerer Klänge bereitwillig andient.
| Marcus Schmickler | Ausschnitt wabi sabi (1995) |
| Marcus Schmickler | Ausschnitt sator rotas (1998-99) |
Jim O’Rourke & David Grubbs // Jim O’Rourke Terminal Pharmacy (1996) Elektronische Komposition (Ausschnitt) Ein Wunderkind der Popavantgarde? Jim O’Rourke ist einer der vielseitigsten Künstler unter den jungen Elektronikern.
Mit David Grubbs und der Band Gastr Del Sol, die Tonalität und gradlinige Rhythmen konsequent außer Kraft setzte, leitete er in den Neunzigerjahren die Wende zum Postrock ein. Mit den fragilen Geräuschcollagen und den verstolperten Loops seiner Soloarbeiten bekennt O’Rourke sich zur musikalischen Epik der Musique concrète. Ein Porträt mit Auszügen aus einem Gespräch und einem Querschnitt durch das Œuvre des amerikanischen Musikers.
| Jim O’Rourke | Ausschnitt I’m happy and I’m singing and a 1, 2, 3, 4 (2001) Elektronische Komposition |
David Grubbs & Jim O’Rourke, Gitarre & Elektronik Gene Coleman, Bassklarinette Steve Butlers, Schlagzeug |
| Jim O’Rourke | Ausschnitt The Ground Below Our Heads (1991) Elektronische Komposition |
David Grubbs & Jim O’Rourke, Gitarre & Elektronik Gene Coleman, Bassklarinette Steve Butlers, Schlagzeug |
| Gastr Del Sol | Work from Smoke (1993) | David Grubbs & Jim O’Rourke, Gitarre & Elektronik Gene Coleman, Bassklarinette Steve Butlers, Schlagzeug |
© WDR 3, Open Sounds, 11.1.2020